«Eine islamische Partei ist eigentlich zwingend»

Der umstrittene französische Autor Michel Houellebecq sorgt mit seinem neuen Buch schon vor der Veröffentlichung für Wirbel.

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In einem Interview geht Michel Houellebecq von einer rechtspopulistischen Präsidentin in Frankreich in den kommenden Jahren aus: «Marine Le Pen erscheint mir für 2022 ziemlich wahrscheinlich, sogar schon für 2017», sagte der Schriftsteller der «Welt am Sonntag».

Das Statement kommt nicht zufällig. In seinem neuen Roman «Die Unterwerfung», der in diesen Tagen erscheint, wird ein radikaler Muslim Frankreichs Präsident. Das Szenario seines Buches sei «politische Fiktion», Vorbild für das Genre sei unter anderen der Autor Joseph Conrad gewesen. «Die Unterwerfung» sei aber erst mal «nicht sehr wahrscheinlich», sagte Houellebecq: «Erst einmal müssten sich die Muslime untereinander verstehen.»

Destruktion der Philosophie

Was Muslime als Wähler in Frankreich angehe, so seien sie «in einer unmöglichen Situation», würden «von niemandem vertreten». «Es wäre falsch zu sagen, dass der Islam eine Religion ist, die keine politischen Konsequenzen hat, sie hat welche, der Katholizismus hat ja auch welche, selbst wenn die Katholiken sich oft eine Abfuhr geholt haben. Jedenfalls glaube ich, dass eine islamische Partei eigentlich eine zwingende Idee ist.»

Er glaube aber, dass es ein echtes Bedürfnis nach Gott gebe, und dass die Rückkehr des Religiösen kein Slogan sei, sondern eine Realität, die uns nun gerade mit erhöhter Geschwindigkeit einhole. Es gebe «nicht nur den Islam, der davon profitiert, in Nord- und Südamerika sind es eher die Evangelikalen», erläuterte Houellebecq. «Was Asien betrifft, bin ich nicht sehr informiert, aber der Fall Afrikas ist interessant, denn dort haben die beiden grossen religiösen Kräfte Zulauf: die Evangelikalen und der Islam. Ich glaube nicht, dass eine Gesellschaft ohne Religion sich halten kann.»

Auf die Frage, ob die «Unterwerfung» nicht auch eine Verschwörungstheorie schildere, wonach die Muslime die Macht übernehmen werden, sagte Houellebecq: «Nein. Es gibt eine Destruktion der Philosophie, die aus der Aufklärung hervorging, die für niemanden mehr Sinn macht oder nur noch für sehr wenige. Dagegen hält sich der Katholizismus vergleichsweise gut.»

Vor drei Jahren hatten vier muslimische Verbände Houellebecq verklagt. Der Autor hatte in einem Interview gesagt: «Die dümmste Religion ist doch der Islam.» Er empfinde Hass dem Islam gegenüber. Ein Pariser Gericht hatteHouellebecq danach vom Vorwurf der rassistischen Beleidigung und Beihilfe zur Anstiftung zum Rassenhass freigesprochen.

Nun droht Houellebecq von anderer Seite Ungemach. Inzwischen hat sich Laurent Joffrin, Chefredakteur der linken Libération, zu Wort gemeldet. Er sieht in dem Werk «den Einbruch oder die Rückkehr rechtsextremer Thesen in die Hochliteratur.»

(phz)

Erstellt: 05.01.2015, 10:43 Uhr

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