Porträt

Er plant seine Bücher wie Feldzüge

Der US-Autor und ehemalige Werber James Patterson verdient mit seinen Romanen mehr Geld als jeder andere Schriftsteller.

James Patterson hat bislang 102 Bücher geschrieben und 260 Millionen Exemplare davon verkauft.

James Patterson hat bislang 102 Bücher geschrieben und 260 Millionen Exemplare davon verkauft. Bild: Keystone

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Sein jüngstes Buch «I funny» ist soeben in die Läden gekommen – und die Erscheinungstermine für fünf weitere Bücher stehen schon fest. James Patterson betreibt eine regelrechte Schreibfabrik. Das lässt sich in Zahlen ausdrücken: Jeder 17. gekaufte Roman in den USA stammt von ihm. Im vergangenen Jahr veröffentlichte Patterson 14 Titel. Von seinen bislang 102 Büchern brachte er 76 auf die Bestsellerliste der «New York Times», das waren dem «Guinnessbuch der Rekorde» zufolge weit mehr als jeder andere Autor. James Patterson ist der Nestlé-Konzern der amerikanischen Lesefutterindustrie.

Und nicht nur der amerikanischen. Mit 260 Millionen Büchern und Übersetzungen in 38 Sprachen hält Patterson hinter J. K. Rowling (400 Millionen verkaufte «Harry Potter»-Bücher) auch den Titel des zweitbestverkaufenden Autors der Welt und mit 94 Millionen Dollar pro Jahr den des bestverdienenden. Auf Platz zwei liegt laut dem Wirtschaftsmagazin «Forbes» mit 39 Millionen Dollar Stephen King. Rowling rangiert mit schlappen 17 Millionen Dollar auf Rang elf (ihr Vermögen verdankt sie primär den Verfilmungen).

150 Millionen für einen Vertrag

Der 65-jährige Patterson hingegen hat wie fast alle seine Kollegen begonnen – mit vielen Ambitionen und wenig Erfolg. 1976 erschien sein erster Krimi. «The Thomas Berryman Number» war von einem Dutzend Verlagen abgelehnt worden, bevor Little, Brown and Company den Titel für 8500 Dollar erstand. Heute arbeitet eine ganze Abteilung dieses Verlages ausschliesslich für Patterson. Für seinen letzten Buchvertrag soll er 150 Millionen Dollar erhalten haben.

Den grössten Teil der Arbeit verrichtet Patterson freilich selber. Er plant den Werbefeldzug. Nicht umsonst war er einer der mächtigsten Werber der USA, bevor er sich 1996 hauptberuflich der Schriftstellerei zuwandte. Er kontrolliert alles, von der Gestaltung des Umschlags bis zum Erscheinungstermin.

Nur zum Schreiben kommt Patterson immer seltener. Von den bisher dreizehn Titeln im laufenden Jahr hat er nur zwei allein verfasst. Alle anderen sind mit Co-Autoren entstanden. Patterson hat Angestellte, die er aus eigener Tasche bezahlt, mit etwa zehn Leuten arbeitet er regelmässig zusammen. Er skizziert Plot und Figuren. Seine Kulis besorgen den Rest.

Es gibt aber auch prominente Gastauftritte wie jenen der schwedischen KrimiAutorin Liza Marklund, mit der Patterson 2010 «The Postcard Killers» publizierte. Ziel dieses Manövers war die Absatzförderung seiner Bücher in Europa. In den USA geht er ebenso strategisch vor: Als Patterson merkte, dass er John Grisham zwar an der Ostküste um Längen schlug, an der Westküste aber knapp hinter ihm lag, entwarf er flugs die Thrillerserie «The Women’s Murder Club», die in San Francisco spielt (dt. «Lindsay Boxer»). James Patterson strebt von seinem Haus in Palm Beach, Florida, die belletristische Weltherrschaft an.

Angefangen hat er mit Morden. Alex Cross, schwarzer Detektiv und freiwilliger Helfer in einer Kirchgemeinde in Washington, D. C., ist nach wie vor seine berühmteste Kreation. Aber längst kriegt man bei Patterson auch Komödien für Mittelschüler und Untergangsromanzen für Teenager. Patterson & Co. jagen Aliens und – in der Serie «Witch and Wizard» – nebenbei auch Harry Potter.

Perfekte Filmvorlagen

Seine Romane sind wie Fastfood: nährstoffarm und kalorienreich, um den Hunger schnell zu stillen. Also viel Dialog, kurze Kapitel, kaum Beschreibungen, kein Hintergrund. Perfekte Drehbuchvorlagen, sollte man meinen. Aber mit Hollywood hapert es noch. Pattersons dritter Alex-Cross-Film «I, Alex Cross» fiel bei der Kritik und beim Publikum unlängst durch. Drei andere Patterson-Streifen floppten ebenfalls. Solche Rückschläge nimmt James Patterson persönlich. Eine eigene Filmproduktionsfirma wäre wohl die einfachste Lösung. Der Ruhestand ist für ihn keine Option.

Erstellt: 19.12.2012, 10:41 Uhr

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