Er sah schlecht, nahm Drogen und hatte ganz luzide Visionen

Die Welt, die Aldous L. Huxley in seinem Roman «Schöne neue Welt» beschrieb, ist fünfzig Jahre nach seinem Tode am 22. November 1963 nicht weit von der Realität entfernt.

Gefragter Intellektueller: Ein TV-Interview mit Huxley im Jahr 1958.


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Der Visionär und kritisch beobachtende Satiriker entwickelte sich später mehr zum Fantasten, der sich für spirituelle Themen und Experimente mit bewusstseinsverändernden Drogen interessierte. Geboren wurde Huxley am 26. Juli 1894 in Godalming im Südwesten von London. Nach der Schule in Eton studierte er Literatur am Balliol College in Oxford. Wegen einer Sehbehinderung musste er seine Ausbildung unterbrechen. Später wurde er Dozent für englische Literatur in Oxford und arbeitete als Journalist, Theater- und Kunstkritiker.

Konnte früh vom Schreiben leben

Mit dem Schreiben hatte der über 1,90 Meter grosse, dürre Huxley bereits mit siebzehn Jahren angefangen. «Zu einer Zeit, als ich praktisch blind war und kaum etwas anderes tun konnte», verriet er 1960 dem Magazin «Paris Review». Um sich finanziell über Wasser zu halten, wurde er Journalist. «Ich habe Artikel über alles produziert von schmückendem Putz bis zu persischen Teppichen.»

Als er 21 Jahre alt war, machte er die Schriftstellerei zu seinem Beruf. «Ich habe mich immer glücklich geschätzt», sagte er, «mit etwas Geld zu verdienen, das ich gerne tue. Das können wenige Leute.» Seine erste Gedichtsammlung «The Burning Wheel» wurde veröffentlicht, als Huxley gerade mal 22 Jahre alt war. Danach folgten Kurzgeschichten, weitere Gedichte und Reiseberichte.

Buddha und Drogen

Am bekanntesten sind seine Romane, welche die Entmenschlichung der Gesellschaft durch wissenschaftlichen Fortschritt kritisieren. So beschreibt er etwa im Buch «Schöne neue Welt» von 1932 eine technologische Welt im 26. Jahrhundert. Ab 1938 lebte Huxley in Kalifornien und wandte sich unter dem Einfluss der politischen Ereignisse in Europa anderen Themen zu.

Er vertiefte sich in die Lehren Buddhas und suchte nach dem transzendentalen Zustand. In den 1950er-Jahren nahm er die synthetische Droge Meskalin und beschrieb das Experiment in «Die Tore der Erkenntnis», ein Büchlein, das Aufsehen erregte. Huxley war zweimal verheiratet. Zuerst mit der Belgierin Maria Nys, mit der er einen Sohn, Matthew, hatte. Nach ihrem Tod 1955 ehelichte der Schriftsteller die italienische Violonistin und Psychotherapeutin Laura Archera. Sein letztes Buch war der utopische Roman «Insel», der 1962 erschien und bei Kritikern nicht gut ankam. Ein Jahr später starb Aldous Huxley im Alter von 69 Jahren in Los Angeles an Krebs. (sda)

Erstellt: 21.11.2013, 16:03 Uhr

Huxley, Aldous, «Schöne neue Welt», Fischer Taschenbuch, 363 Seiten, ISBN 978-3-596-95015-7, CHF 33.90.

Schöne neue Welt

«Die Tore der Erkenntnis»: In den 1950er-Jahren experimentierte Huxley mit Meskalin.

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