Gaston Cherpillod gestorben

Der Waadtländer Autor ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Der politische engagierte Cherpillod erhielt zweimal den Schillerpreis.

Verband Sozialkritik mit noblem Stil: Autor Gaston Cherpillod.

Verband Sozialkritik mit noblem Stil: Autor Gaston Cherpillod. Bild: Keystone

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Seine Familie teilte die Nachricht am Mittwoch mit. Der Schriftsteller, der sich selber als «schwarzes Schaf» bezeichnete, war der einzige Westschweizer, der Literatur mit radikal linker Politik verband.

Cherpillod wurde am 24. Oktober 1925 in Lausanne als Sohn eines Uhrenarbeiters und einer Bauernmagd geboren. Gastons Primarlehrer überzeugte die Eltern davon, dem Kleinen eine klassische akademische Ausbildung zu ermöglichen. 1950 schloss er sein Studium der Altphilologie mit dem Lizentiat ab.

Als Kind der Unterschicht, die damals noch kaum Zugang zu höherer Bildung hatte, war er früh ein scharfer Kritiker des Bildungsbürgertums. In seinem autobiografischen Roman «Le Chêne brûlé» (1978 auf deutsch als «Gewittereiche» erschienen) verband er 1969 vehemente Sozialkritik mit einer Sprache, gemischt aus noblem Stil und Slang.

Von 1951 bis 1983 unterrichtete und schrieb Cherpillod, stets politisch engagiert. Als einer von wenigen Schriftstellern aus der Romandie unterhielt er dabei engen Kontakt mit seinen Deutschschweizer Kollegen.

Exil in Frankreich

1953 trat er der Partei der Arbeit (PdA, in der Westschweiz POP) bei, für die er anschliessend bis 1956 im Gemeinderat von Lausanne sass. Es kostete ihn seine Stelle als Sekundarlehrer. 1957 emigrierte er für drei Jahre nach Südfrankreich. 1960 verliess er die PdA – enttäuscht von deren monolithischem Diskurs.

1978 bis 1985 sass er für die Union progressive im Gemeinderat von Renens, danach kandidierte er für die Sozialistisch-grüne Alternative erfolglos für den Waadtländer Staatsrat und den Ständerat. Daneben entstanden über 20 Romane, Erzählsammlungen, Gedichtbände und ein Theaterstück.

Begonnen hatte Cherpillod mit Lyrik, danach wandte er sich der Prosa zu. Zweimal bekam der den Schillerpreis – 1976 für «Le Collier de Schanz» und 1986 für «La Nuit d'Elne». 1992 wurde er mit dem «Prix des écrivains vaudois» ausgezeichnet. (sda)

Erstellt: 10.10.2012, 12:41 Uhr

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