Grand Prix Literatur wurde vergeben

Mit Philippe Jaccottet und Paul Nizon wurden zwei Autoren geehrt, die beide seit mehr als 40 Jahren in Frankreich leben.

Ein Check über 40'000 Franken: Alain Berset prämiert Paul Nizon. (20.2. 2014)

Ein Check über 40'000 Franken: Alain Berset prämiert Paul Nizon. (20.2. 2014) Bild: Keystone

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Es hat zwar keinen roten Teppich, aber die Fassade der Schweizerischen Nationalbibliothek ist für einmal rosa beleuchtet und Fotografen lungern wie Paparazzi herum. Verliehen werden zum zweiten Mal die Schweizer Literaturpreise des Bundesamtes für Kultur (BAK), und weil diese Preise bereits vor ihrer ersten Vergabe stark kritisiert worden sind, will man offenbar bei der zweiten Ausgabe alles besser machen.

Auch mit ein bisschen Glamour, einer Moderatorin im schulterfreien Top und filmreifen Fotoinszenierungen der Preisträger. Ein fast oscarhafter Rahmen, dem sich die zehn Preisgekrönten in ihren Reden anpassten, wurde doch nicht weniger als vier Ehefrauen und einem Ehemann gedankt.

Sogar eine Namensänderung hat man vorgenommen: Die zwei Schweizer Literaturpreise ( je 40 000 Franken), mit denen ein Lebenswerk ausgezeichnet wird, heissen neu Grand Prix Literatur. Mit dem 88-jährigen Waadtländer Philippe Jaccottet und dem 84-jährigen Berner Paul Nizon wurden zwei Autoren geehrt, die beide seit mehr als 40 Jahren in Frankreich leben.

Urs Widmer war nicht da

Jaccottet nahm an der Verleihung nicht teil, so wie auch zwei weitere Preisträger: Christoph Ferber, dem der alle zwei Jahre verliehene Spezialpreis Übersetzung zugesprochen wurde, und Urs Widmer. Der Zürcher gehört zu den sieben Autorinnen und Autoren, die je 25 000 Franken für ein Buch bekommen, das zwischen Oktober 2012 und Oktober 2013 veröffentlicht wurde und deren Namen bereits im Januar bekannt gegeben wurden. Letztes Jahr hiessen diese Preise noch Eidgenössische Literaturpreise und wurden separat verliehen. Eingereicht wurden 139 Bücher – im ersten Jahr waren es 236 gewesen. Zum Preis gehört weiter eine Lesetour, und die Bücher werden an alle Bibliotheken verschickt.

Wohl im Wissen um die Kritik an dieser mageren Promotion der Werke von Schriftstellern und Dichtern, die zum Teil kaum bekannt sind, skizzierte Kulturminister Alain Berset in seiner Rede die Pläne des Bundesamtes für Kultur: So will man abklären, wie Verlage strukturell unterstützt werden könnten, auch eine Förderung der Literaturzeitschriften werde geprüft. Ein Schwerpunkt soll weiter die Übersetzung werden. «Die Schweiz ist nun mal das Land der Übersetzer», sagte Berset. «Wir brauchen immer mehr Übersetzer, um die Botschaften und die Gefühle der anderen zu verstehen.»

Erstellt: 21.02.2014, 09:09 Uhr

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