Bern

«Ich hätte nicht gedacht, dass die Schweizer so direkt sein können»

Ein englischer Autor hat ein Buch über die Schweizer geschrieben - und damit einen Erfolg gelandet.

Der Autor und sein erfolgreicher Erstling: Diccon Bewes an seinem Arbeitsplatz im English Book Shop in Bern.

Der Autor und sein erfolgreicher Erstling: Diccon Bewes an seinem Arbeitsplatz im English Book Shop in Bern. Bild: Jonathan Spirig

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Schweizweit das meist verkaufte englische Buch des Jahres 2010, im Sommer das meist verkaufte Buch in der Berner Buchhandlung Stauffacher und in der englischen Financial Times unter den 100 besten englischen Büchern des Jahres.

Trotz dieser Erfolge zeigt sich der in Bern lebende Autor Diccon Bewes noch immer sehr bescheiden. Er schämt sich auch heute noch für sein Deutsch, obwohl er beim einstündigen Gespräch vielleicht zwei Fehler macht und auch ein Live-Interview auf DRS1 souverän hinter sich gebracht hat. Dass auch sein Humor der gleiche geblieben ist, sieht man an seinem amüsierten Gesichtsausdruck, als er berichtet, dass sein Buch häufiger verkauft wurde als die Autobiografie von Tony Blair.

Schweizer Sprachtalente

Natürlich habe er sich diesen Erfolg erhofft, «aber erwartet habe ich ihn definitiv nicht», stellt der Autor klar. Über 18'000 Mal wurde das Buch «Swiss Watching» mittlerweile verkauft – 10'000 Exemplare allein in der Schweiz. «Mich hat vor allem überrascht, dass so viele Schweizer mein Buch auf Englisch lesen.» Dass er mit einem englischen Buch über Italien wohl nicht den gleichen Erfolg gehabt hätte, bestätigt er mit einem Augenzwinkern.

Überrascht wurde der 43-Jährige auch vom Rummel, der um ihn gemacht wird. Fast 200 Personen hätten die Buchvernissage in Bern besucht, er werde an seinem Arbeitsplatz besucht, auf der Strasse angesprochen und mit freundlichen Mails überhäuft. Er sei erstaunt, wie direkt die Schweizer plötzlich sein können – vielleicht müsse er das in einer neuen Auflage seines Werks noch ergänzen, gibt er zu.

«Ich habe selbst soooo viele Bücher gelesen, aber es wäre mir nie in den Sinn gekommen, dem Autor eine Mail zu schreiben. Und auf der Strasse erkennen würde ich John Grisham auch nicht.» Vielleicht sei er etwas zu naiv gewesen, gibt der 43-Jährige zu bedenken.

(Fast) Aussschliesslich positive Rückmeldungen

Obwohl ihm der Rummel um seine Person manchmal fast zu viel wird, schätzt der Wahlberner die vielen Rückmeldungen grundsätzlich – vor allem weil sie fast ausschliesslich positiver Natur sind. «Wenn mich jemand auf der Strasse schlagen würde, fände ich das natürlich weniger lustig.» Auch sein Lebenspartner Gregor könne gut mit den «Groupies» des Autors umgehen und spreche ihn spasseshalber bereits mit «berühmter Autor» an.

Zu amüsanten Begegnungen komme es zudem im English Book Shop im Berner Büchergeschäft Stauffacher, wo Bewes arbeitet: «Spannend sind vor allem die Reaktionen der Kunden, wenn sie an der Kasse entdecken, dass sie vom Autor bedient werden.»

Nicht aus dem Kopf gehen will dem Engländer aber seine «einzige negative Begegnung». Er habe mit einer Kundin ein gutes Gespräch geführt und sie hatte das Buch bereits bezahlt, als sie interessiert fragte, wieso er in die Schweiz gekommen sei. Als der Schriftsteller antwortete, dass die Liebe zu seinem Partner der Hauptgrund war, verlangte die Dame das Geld zurück, liess das Buch liegen und lief davon. Bewes blieb sprachlos zurück.

Noch keine Zeit für das zweite Buch

Der Erfolg seines Buches und der volle Terminkalender haben Bewes indes noch nicht dazu veranlasst, seinen Job in der Buchhandlung an den Nagel zu hängen. Er musste sein Pensum wegen der vielen Anlässe zwar um 10 Prozent reduzieren, denke aber nicht daran aufzuhören.

Seinen Plan, im Herbst mit einem neuen Buch zu beginnen, musste er wegen der vielen Medientermine begraben. Auch so kurz vor Weihnachten sei nicht daran zu denken – allein sein eigenes Buch gehe zurzeit täglich zehn Mal über den Ladentisch. Anfang Jahr werde er aber wieder Zeit haben und sich Gedanken über seinen Zweitling machen. Wahrscheinlich werde es wieder ein Sachbuch sein, voraussichtlich aber nicht nur über die Schweiz.

Eine Schreibpause eingelegt hat Diccon Bewes allerdings nicht. Er berichtet in seinem Blog regelmässig über das aktuelle Geschehen in Bern, der Schweiz und seinem Leben. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.12.2010, 15:15 Uhr

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