«Ich mache keine Pornos»

Das Schwulen Museum in Berlin würdigt den 50. Geburtstag des Comiczeichners Ralf König mit einer Ausstellung. Seine schwulen Knollennasenfiguren entzücken auch Heterosexuelle.

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Donald Duck und Asterix sind zeitlos und deswegen auch ein bisschen steril, meint Kurator Boris von Brauchitsch. «Bei Ralf König altern die Figuren, hadern mit der Vergänglichkeit.» So wie ihr Schöpfer mit seinem 50. Geburtstag hadert. Und ein bisschen auch mit der Tatsache, dass Brauchitsch sich mit dem Sammler Mario Russo zusammengetan hat. Die beiden zeigen - als Geburtstagsgeschenk für den Comiczeichner - dessen Knollennasen im Schwulen Museum in Berlin-Kreuzberg.

«Es ist ein bisschen komisch mit dem Fünfzig werden», räumt König am Dienstag ein. Sein Geburtstag ist am 8. August. Bereits 2009 wurde sein Werk erstmals ausgestellt, ausgerechnet im Schloss Oberhausen. «Hier ist es zumindest einmal in einem Hinterhof.» Dort fühlt sich der Autor, der seit 30 Jahre den Alltag der schwulen Subkultur porträtiert, sichtlich wohler als im Schloss.

Sammler Russo hat inzwischen 3'000 Objekte zusammengetragen. «Meine Sammlung ist bis auf Gegenbeweis die grösste Sammlung», sagt er stolz. Die kleine, aber feine Auswahl zeigt das Schwule Museum ab Mittwoch bis zum 4. Oktober in Berlin-Kreuzberg. Der Zeichner räumt ein, auch er habe bislang noch nicht gewusst, dass es das Video «Kondom des Grauens» auch auf Japanisch gibt.

«Der bewegte Mann» in der Hassbox

«Ich werde hier gleich mal in Ruhe durchgehen und vielleicht auch mal lachen, weil ich den Witz nicht mehr kenne», sagt König. «Ansonsten ist es schon ein bisschen komisch, museumsreif zu sein.» Und mit dem Titel der Ausstellung «Ich komme mir vor wie eine Witzfigur» kann er sich nicht recht anfreunden.

«Ich komme mir keineswegs vor wie eine Witzfigur», protestiert König. «Das ist ein Zitat aus dem ‹Bewegten Mann›, wo der Norbert Brommer von dem Hetero im Schrank versteckt wird, weil Katja Riemann kommt. Im Comic denkt er: ‹Ich komme mir vor wie eine Witzfigur›.»

Königs Comic «Der bewegte Mann», 1994 von Sönke Wortmann mit Til Schweiger, Joachim Król und Katja Riemann in den Hauptrollen verfilmt, wurde zu einem der erfolgreichsten Filme der deutschen Kinogeschichte. In der Ausstellung liegt er allerdings in der «Hassbox». Brauchitsch berichtet, König habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Film. Für den zweiten Teil seines Comics habe sich der Autor nicht durchringen können, die Filmrechte zu vergeben. Das habe wohl an Til Schweiger gelegen, mutmasst Brauchitsch. «Das war eher die Riemann», lautet Königs trockener Kommentar.

Er sei froh, gewisse Dinge mit Humor abfangen zu können, sagt der Zeichner. Das sei immer auch ein psychotherapeutischer Effekt gewesen. «Und wenn sich das auch noch gut verkauft, da machen die eignen Macken fast schon Spass», sagt König.

«Nasen sind dicker als Pimmel»

Brauchitsch zeigt 50 Originalzeichnungen von König. In der Abteilung «Knollennasen forever» belegt er, dass schon die überaus beeindruckend gebauten Neandertaler Schwule anzogen. Immer wieder wurde König vorgeworfen, Pornografie zu verbreiten. Sein Konter lautet: «Ich mache keine Pornos und habe auch nie verstanden, was denn pornografisch an Figuren sein soll, deren Nasen dicker sind als die Pimmel.»

Als «Objekt der Begierde» der Schwulen präsentiert die Ausstellung «ein internationales, aber nicht sehr breites Spektrum», wie Brauchitsch einräumt. «Es ist so ein breites Spektrum vom türkischen Bauarbeiter bis zum griechischen Möbelträger oder dem Italo-Macho.» Die Abteilung «Frauen und Familie» belegt, dass Königs Leben schon immer mehr war «als schnödes Schwulsein».

Erstellt: 13.07.2010, 15:37 Uhr

Ausstellung

Werkschau Ralf König, Schwulen Museum Berlin-Kreuzberg, bis zum 4. Oktober. www.schwulesmuseum.de

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