Jörg Steiner ist tot

Der Schweizer Schriftsteller Jörg Steiner ist im Alter von 82 Jahren in Biel gestorben. Steiner verfasste während seiner Karriere rund 30 Werke. Er wurde mit einer Reihe von Literaturpreisen ausgezeichnet.

Im Alter von 82 Jahren verstorben: Jörg Steiner am Literaturfestival Leukerbad 2008.

Im Alter von 82 Jahren verstorben: Jörg Steiner am Literaturfestival Leukerbad 2008. Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Der Schriftsteller Jörg Steiner ist tot. Er starb mit 82 Jahren in Biel, wie der Suhrkamp Verlag auf Anfrage bestätigte. Jörg Steiner hat in über 50 Jahren etwa 30 Werke verfasst und über ein Dutzend renommierte Literaturpreise erhalten.

Steiner wurde am 26. Oktober 1930 in Biel geboren, wo er nach einigen Auslandaufenthalten – in Mittel- und Osteuropa, Amerika und Afrika – bis zuletzt lebte. Sein Vater war Tiefbaubeamter, er selber wurde nach einer abgebrochenen Drogistenlehre Lehrer.

1953 wurde er als Lehrer im Erziehungsheim Aarwangen angestellt, eine Stätte, die ihn nachhaltig inspirierte. Steiners Romane «Strafarbeit» (1962), «Ein Messer für den ehrlichen Finder» (1966) und «Das Netz zerreissen» (1982) haben alle die fiktive Erziehungsanstalt Brandmoos zum Hintergrund.

Verleger, Journalist, Politiker

1954 gründete Steiner den Kleinverlag «Vorstadtpresse», den er bis 1960 leitete. Dazu arbeitete er als Lehrer in Biel und Nidau, als Literaturredaktor beim Bieler Tagblatt und sass 1973-1979 im Bieler Stadtrat.

Für sein literarisches Werk erhielt er unter anderen den Grossen Literaturpreis des Kantons Bern (1976), Medaillen der internationalen Buchkunst Leipzig (1979 und 82), den Batchelder Award USA (1979), den Erich-Fried-Preis (1994), den Berliner Literaturpreis (1998) und 2002 den mit 50'000 Franken dotierten Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich.

«Biels sozialen Querschnitt dargestellt»

Der Literaturwissenschafter Peter von Matt würdigte Steiner als markante Stimme der neueren Schweizer Literatur. Aus seiner Heimatstadt Biel habe Steiner subtile und oft sehr witzige Gemälde hinterlassen. In seinem Werk habe der Bieler den sozialen Querschnitt der Schweizer Industriestadt dargestellt, in der er gelebt habe, sagte von Matt. «Die Welt der schwierigen Jugendlichen, der Menschen im sozialen Schatten, hat er höchst differenziert gestaltet.»

Ein sehr reiches und kontinuierliches Werk habe Steiner hinterlassen und eines, das seine Gültigkeit in der Schweizer Literatur behalten werde. In seinen Anfängen sei Steiner stark geprägt gewesen von den US-amerikanischen Erzählern, die damals auf die gesamte deutschsprachige Literatur eingewirkt hätten.

«Jörg Steiner war einer der ersten der jungen Generation nach Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt», sagte von Matt. Der Tod Steiners traf ihn und seine Frau auch persönlich. «Er war uns ein guter Freund und eine vertraute Person.»

Engagierter Bieler Bürger

Der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr hat den verstorbenen Jörg Steiner als «grossen Schriftsteller und engagierten Bürger» gewürdigt. Steiner habe sich immer für die Stadt Biel eingesetzt, erklärte Fehr auf Anfrage.

Der Tod von Steiner mache ihn tief betroffen, hielt Fehr fest. «Mit ihm verlieren wir nicht nur einen grossen Schriftsteller - er war Träger des Bieler Kulturpreises im Jahre 1983 zusammen mit Jörg Müller -, sondern auch einen engagierten und kritischen Bürger, welcher sich immer für seine Stadt eingesetzt hat.»

Die wohlüberlegten und tiefgründigen Gedanken von Jörg Steiner zum aktuellen Geschehen in Biel «werden mir fehlen», betonte Fehr. «Noch vor einem Jahr konnte man in der Küche der Galerie seiner Frau am Rande einer Vernissage mit ihm philosophieren, keine zwölf Monate später sind beide gestorben.» (lmm/sda)

Erstellt: 21.01.2013, 17:11 Uhr

Steiner, Jörg, «Wer tanzt schon zu Musik von Schostakowitsch», Suhrkamp Verlag, 103 Seiten, ISBN 978-3-518-46229-4, CHF 11.90.

Wer tanzt schon zu Musik von Schostakowitsch

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