Hommage

«Man soll das Vaterland nicht mehr lieben als einen Menschen»

Vor 20 Jahren starb Friedrich Dürrenmatt. Das Leben - und die besten Aussprüche des wortgewaltigen Schriftstellers.

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Im Film «Porträt eines Planeten» von Charlotte Kerr, seiner zweiten Frau, sagte Friedrich Dürrenmatt 1984: «Ich denke oft an meinen Vater, der sagte, es sei für ihn schrecklich vorzustellen, dass man nach dem Tode nichts mehr sei. Also für mich ist das überhaupt nichts Schreckliches. Wenn man nichts mehr ist, ist man eben nichts mehr.»

Der Autor, der einst seine Studentenbude mit der Berufsbezeichnung «Nihilistischer Dichter» anschrieb, ist auch 20 Jahre nach seinem Tod alles andere als nichts: Allein sein Stück «Der Besuch der alten Dame» haben in der laufenden Saison neun deutschsprachige Bühnen auf dem Spielplan.

Wo sonst auf der Welt es noch gespielt wird, ist nicht zu eruieren. Aber angesichts dessen, dass das Stück allein in den letzten 20 Jahren fünf Mal verfilmt wurde, darunter in Senegal (»Hyènes» 1992), Argentinien (»La dama regresa» 1996) und in Estland (»Vana daami visiit» 2006) lässt auf weltweite Bühnenpräsenz schliessen.

Der Maler

Allerdings war die Schriftstellerei nicht Dürrenmatts erster Berufswunsch. Nachdem er und seine Schwester als Kinder vom Konolfinger Dorfmaler porträtiert worden waren, begann er zu zeichnen und zu malen, vorzugsweise Sintfluten und Schlachten, wie er selber berichtete.

Der von der Mutter zur Begutachtung beigezogene Maler Cuno Amiet prophezeite allerdings angesichts der martialischen Sujets eine Militärkarriere. Gemalt hat Dürrenmatt dennoch immer. Sein bildnerisches Werk wird seit 2000 im Centre Dürrenmatt, dem von Stararchitekt Mario Botta für sechs Millionen Franken ausgebauten letzten Wohnhaus des Multitalents, verwaltet, erforscht und ausgestellt.

Seinen literarischen Nachlass vermachte Dürrenmatt noch zu Lebzeiten der Landesbibliothek - heute Nationalbibliothek - mit der Auflage, ein Literaturarchiv zu gründen.

Überleben dank Heftliromanen

Friedrich Dürrenmatt wurde am 5. Januar 1921 als ältester Sohn eines protestantischen Pfarrers im emmentalischen Konolfingen geboren. 1935 zog die Familie nach Bern um, 1941 begann Friedrich das Studium der Germanistik. 1946 brach er es ab, um Schriftsteller zu werden, und heiratete die Schauspielerin Lotti Geissler.

1947 geriet die Uraufführung von «Es steht geschrieben» in Zürich zum Theaterskandal. 1948 wurden in Basel «Der Blinde» und 1949 «Romulus der Grosse» uraufgeführt. Trotzdem war die finanzielle Lage von Dürrenmatts bald fünfköpfiger Familie prekär.

Ab 1950 erschienen die ersten Kriminalromane «Der Richter und sein Henker» und «Der Verdacht» zunächst als Fortsetzungsgeschichten für die Zeitschrift «Der Beobachter». Hörspiele brachten einen zusätzlichen Zustupf.

Rachegöttin und Kindsmörder

1956 machte ihn «Der Besuch der Alten Dame» schlagartig berühmt. 1958 doppelte der Kindsmord-Thriller «Es geschah am hellichten Tag» mit Heinz Rühmann nach. Dürrenmatt schrieb das Drehbuch später zum Kriminalroman «Das Versprechen» um, der unter anderem 2001 von Sean Penn mit Jack Nicholson verfilmt wurde.

1962 waren «Die Physiker» das meistgespielte Stück auf deutschsprachigen Bühnen. Seine späteren Stücke wie «Porträt eines Planeten» und «Achterloo» reichten an seine grossen Erfolge nicht mehr heran.

(phz/sda)

Erstellt: 14.12.2010, 15:18 Uhr

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