Buchmesse-Blog

«Mir wird kurz schlecht»

Schriftsteller Thomas Meyer bloggt für Tagesanzeiger.ch/Newsnet von der Buchmesse Leipzig. Heute gehts um ein Treffen mit Erfolgsautor Martin Suter.

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Bevor mein Vater seine hauptsächliche Lebensaufgabe in der Liebe zu seinem Enkel fand, war er Messedirektor. Das eindeutig angenehmste Publikum, verriet er mir einst, seien die Besucher der Motorradmesse. Sie seien stets freundlich und hinterliessen am wenigsten Dreck.

Wäre er Direktor hier auf der Messe Leipzig, würde mein Vater sein Urteil vermutlich noch einmal revidieren und die Literaturfreunde zu seinen Lieblingen erklären. Es sind durchwegs Menschen mit einem wachen Geist, die grosse Freude empfinden, wenn er durch Sprache und Sinn genährt wird, und die sich deshalb hier in bester Laune an der Buchmesse zusammenfinden.

Diese Magie, ein furchtbares Wort, millionenfach eingesetzt und hier doch so passend, diese Magie des Buches also ist schon am Bahnhof zu spüren, wenn man ins Taxi steigt und dem Fahrer das Ziel nennt. Dann lächelt er, wie auch die Menschen, die in die Messehallen strömen oder sie verlassen, wie die Dame an der Garderobe, die Verlagsleute und die Autoren: Sie alle zeigen tiefe, wahre Freude.

Beim Abendessen sitze ich neben Martin Suter. Er spricht in knappen, klaren Sätzen.

«Ja, der zweite Roman», sagt er langsam, nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich gerade daran schreibe. Er spricht es aus wie: «Ja, die Frauen.»

Sein zweiter Roman, sagt er dann, sei gar nie publiziert worden. Er lacht und isst weiter. Mir wird kurz schlecht.

Erstellt: 14.03.2014, 11:08 Uhr

Meyers Buchmesse-Tagebuch

Der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer (40) schildert die Leipziger Buchmesse für Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus Autorenperspektive. Meyer lebt und arbeitet in Zürich. Nach seinem Erfolgsroman «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» schreibt er an seinem zweiten Roman, der im Sommer erscheint.

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