«Mit Kokain kannst du alles erreichen»

Er ist seit über 2300 Tagen untergetaucht. Trotzdem macht Mafia-Feind und «Gomorrha»-Autor Roberto Saviano weiter: In seinem neuen Buch «ZeroZeroZero» offenbart er die Macht der Drogenkartelle.

«Kein Markt wirft mehr Gewinn ab»: Roberto Saviano, hier in Neapel. (9. Januar 2008)

«Kein Markt wirft mehr Gewinn ab»: Roberto Saviano, hier in Neapel. (9. Januar 2008) Bild: Keystone

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Roberto Saviano (34) hat ein Buch über die Leistungsdroge Kokain geschrieben. Der Autor will mit «ZeroZeroZero» klarmachen: Kokain ist überall. Es wird seltener aus Po-Ritzen konsumiert, häufig aber auf Kneipentoiletten oder in Mittagspausen, wenn die Konzentration noch bis zum Abend halten soll.

«Mit Kokain kannst du alles erreichen», schreibt Saviano. «Kokain ist die erschöpfende Antwort auf das dringendste Bedürfnis unserer Zeit.» Das teure weisse Pulver rieselt Saviano zufolge nicht nur auf die Finanzwelt, nein: Allein in Europa sollen rund 13 Millionen Kokser herumlaufen.

Wie lukrativ das Geschäft mit dem «weissen Öl» ist, erklärt Saviano mit einfachen Rechenbeispielen: Die Gewinne aus dem Drogenhandel betrügen knapp 352 Milliarden Dollar. Über 97 Prozent aller Drogeneinkünfte der Kartelle in Kolumbien werden dabei laut Saviano in Banken in Europa und den USA gewaschen.

Mafiöse Gruselgeschichten

Der gebürtige Neapolitaner begleitet Drogendealer und Bekämpfer des Systems, zeigt die Wege auf, die das Kokain aus Mexiko und Kolumbien nach Europa nimmt, und natürlich geizt er nicht mit mafiösen Gruselgeschichten: Mal wird einer nur aufgehängt oder in Ätznatron aufgelöst, mal muss ein gegen Drogen kämpfender Geistlicher die Vergewaltigung seiner minderjährigen Nichte miterleben und seine abgetrennten Finger, Zehen und Genitalien schlucken.

Savianos Detailtreue hat für den Leser aber auch etwas Erschöpfendes: Oft berichtet er so intensiv von kolumbianischen und mexikanischen Akteuren, dass man zwischen all den spanisch klingenden Namen kaum noch zu unterscheiden vermag. Von den Kriminellen merkt man sich in der Namensflut meist nur die Spitznamen: El Padrino, El Magico, El Chito und El Chapo.

Ein paar Splitter bleiben dann aber doch im Gedächtnis hängen: Kolumbiens Topmodel Natalia Paris, das sich in einen Drogenhändler verliebt. Der Mafiaboss Semjon Mogilewitsch, genannt «The Brainy Don», dessen «Macht so gross ist, dass er mit einem einzigen Anruf die Weltwirtschaft beeinflussen kann», wie ein leitender FBI-Ermittler sagt. Drogenhunde, die für ihre feinen Nasen bezahlen müssen. U-Boote voller Kokain, die die Droge nach Europa bringen. (phz/AFP)

Erstellt: 11.02.2014, 11:35 Uhr

Roberto Saviano: ZeroZeroZero - Wie Kokain die Welt beherrscht, Hanser Verlag, München, 480 Seiten.

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