Interview

«Nach drei Monaten war ich ein Wandervogel»

Blanca Imboden ist eine der wenigen Schweizer Bestsellerautorinnen. Ihr neues Buch heisst «Wandern ist doof». Wir wollten von der Autorin wissen, wie man vom Wandermuffel zum Kampfwanderer wird.

Viel Lebensfreude gewonnen: Blanca Imboden.

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Warum ist Wandern doof?
Das habe ich früher mal gedacht, aber mittlerweile habe ich herausgefunden, dass Wandern im Gegenteil ganz toll ist. Inzwischen ist es ein richtiges Hobby von mir geworden.

Wieso fanden Sie es früher doof?
Da haben mich wahrscheinlich die schlechten Erinnerungen an Schulreisen beeinflusst, die über mein Niveau gingen. Nie hatte man die richtige Ausrüstung, ich hatte danach oft Blasen an den Füssen und ich dachte immer: Wieso nicht einfach mit dem Bähnlein fahren und ein bisschen im Restaurant sitzen, das wäre doch auch schön. Und sobald die Schule vorbei war, beschloss ich, jetzt nicht mehr wandern zu müssen.

Aber diesen Vorsatz haben Sie nicht eingehalten, warum?
Ich kämpfe schon ewig mit meinem Gewicht, kenne alle Kalorientabellen und ernährungstechnischen Tricks, aber nichts half. Also versuchte ich es mit einem Mental-Coach. Die sagte mir, ich bräuchte mehr Bewegung. Ich dachte: Weiss ich doch. Habe ich dafür jetzt so viel für diesen Coach bezahlt? Denn ich habe nun mal null Bewegungsdrang. Aber mein Coach sagte mir, das könne man sich antrainieren. Drei Monate musste ich jeden Tag mindestens eine halbe Stunde draussen spazieren, wenn nötig auch nur ums Haus. Und das tat ich. Bei jedem Wetter, wenn auch sehr widerwillig. Mit der Zeit wurden die Runden grösser und weiter, es wurden Ausflüge daraus. Nach drei Monaten war ich ein Wandervogel.

Was gefiel Ihnen denn plötzlich?
Es war wie eine neue Welt. Die Berge stehen vor meiner Haustüre, sie hatten mir immer schon gefallen, aber plötzlich konnte ich sie erleben. Bewegung in der Natur, das ist für mich wie kurze Ferien, ich kann dabei abschalten, die Jahreszeiten erleben.

Sind Sie denn inzwischen eine Kampfwanderin?
Nein, ich bin immer noch ein Wanderweichei. Meine Wanderungen dauern selten länger als drei Stunden, und wenn es steil bergauf geht, habe ich immer noch keine Kondition und jammere.

Was motiviert Sie, trotzdem zu gehen?
Das Gefühl, in den Bergen zu sein, zu Fuss einen Weg zurückzulegen. Sicher nicht das mit dem Gewicht. Abgenommen habe ich nicht sehr, aber die Lebensfreude hat deutlich zugenommen. Eine Bratwurst oder ein Kuchen schmecken auf einem Berggipfel natürlich doppelt so gut. Und es bringt auch die Gedanken in Fluss. Wobei mein Coach mir damals sagte: Bewegte Gedanken gibt es nur in einem bewegten Körper. Ich kenne allerdings viele bewegte Körper, die noch nie einen grossen Gedanken hatten.

Was würden Sie einem Wandermuffel empfehlen, um Freude zu entwickeln?
Der Anfang ist wirklich nicht einfach, denn es gibt kaum ein Buch für Einsteiger, weil man davon ausgeht, dass eh alle wandern. Zum Glück gehe ich auch gerne alleine wandern, denn ich bin nicht besonders sportlich. Schwierig ist es, in einer Gruppe anzufangen, die ein viel höheres Niveau hat. Wenn zum Beispiel ein Bergsteiger sagt, der Weg ist flach, kann das auch bedeuten, dass der Höhenunterschied «nur» 300 Meter beträgt. Das ist für den dann flach, aber für mich schon sehr anstrengend.

Warum wandern Sie alleine?
Viele verstehen das nicht. Aber ich reise auch gerne alleine, ich halte es gut mit mir aus. Ich ziehe dann früh am Morgen los, es hat dann auch noch nicht so viele Leute, und unterwegs trifft man immer jemanden an.

Was war Ihr schlimmstes Wandererlebnis?
Ich war mit einer Gruppe auf einer Fastenwanderreise in Mallorca, wir hatten einen miserablen Führer. Mitten auf der Tour liess uns der im Stich und verschwand. Wir verliefen uns und landeten in einer Sackgasse. Zum Glück waren zwei aus der Gruppe konditionell sehr stark und auch sehr bergerfahren. Die führten uns dann zurück.

In Ihrem Buch geht es auch um Wandern kombiniert mit Fasten. Geht das zusammen?
Erstaunlich gut. Ich hatte zuvor einmal zu Hause gefastet, das war sehr schwer, weil man immer in Versuchung ist. Geht man auf eine Wanderwoche mit Fasten, fällt es wesentlich leichter. Man ist auch erstaunlich leistungsfähig.

Welches ist Ihre Lieblingswanderung?
Die Gratwanderung Klingenstock–Fronalpstock auf dem Stoos. Man kann die Berggipfel mit Sesselliften erreichen, und dann geht es über einen Höhenweg, der einem trotzdem das Berggefühl vermittelt.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.05.2013, 15:37 Uhr

Imboden, Blanca, «Wandern ist doof», Wörterseh Verlag, 215 Seiten, ISBN 978-3-03763-028-0, CHF 24.90.

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