Peter Stamm erhält Schweizer Buchpreis

Die Jury zeichnet seinen Roman «Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt» aus.

Ausgezeichnet: Der 55-Jährige erhält in Basel für sein jüngstes Werk die wichtigste literarische Auszeichnung der Schweiz. (11. November 2018)

Ausgezeichnet: Der 55-Jährige erhält in Basel für sein jüngstes Werk die wichtigste literarische Auszeichnung der Schweiz. (11. November 2018) Bild: Peter Schneider/Keystone

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Eher verhalten als strahlend betrat Peter Stamm die Bühne. Eine Dankrede habe er nicht vorbereitet, man könne sich denken, weshalb. Gerade hatte Thomas Kramer, Präsident des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes, die Jury-Entscheidung verkündet: Peter Stamm erhält die mit 30'000 Franken dotierte wichtigste literarische Auszeichnung im Land für seinen «vielschichtigen Doppelgängerroman», so die Begründung.

Stamm ist kein unglücklicher Preisträger. Aber so richtig freuen kann man sich wohl nicht, wenn man schon zweimal in der Endrunde sass und dann doch leer ausging. Wenn man – wie wohl auch der Grossteil des Publikums – zwar annehmen kann, dass eine Jury, die ihrer Sinne mächtig ist, einen Autor von diesem Rang eigentlich nicht noch einmal übergehen kann. Eigentlich. Und doch. Jurys sind so unabhängig, aber sie sind eben auch unberechenbar.

Das alles schwang mit im gedämpften Ton seiner Dankesworte, mit denen er – es ist Preisträgerroutine, wirkte aber bei ihm echt und ehrlich – gleich auf die Werke der Mitbewerber hinwies. Er habe in den letzten Wochen vier tolle Romane entdeckt und deren Autoren bei den gemeinsamen Auftritten nie als Konkurrenten empfunden. Oder doch, am Schluss, eben bei jener Verleihungszeremonie, deren Ablauf auf den «And the Oscar goes to...»-Effekt zielt und für das Publikum einen gewissen Thrill erzeugt, die Nerven der Kandidaten aber arg strapaziert.

«Lesen Sie zwanzig Bücher!»

«Es gibt kein bestes Buch», sagte Stamm, und: Literatur sei kein Tennismatch. Tatsächlich sind die Romane der vier Finalisten allesamt lesenswert: Julia von Lucadous «Hochhausspringerin», «Hier ist noch alles möglich» von Gianna Molinari, das «Eidechsenkind» von Vincenzo Todisco und Heinz Helles «Überwindung der Schwerkraft». Ganz zu schweigen von denen, die die Jury übersah oder verkannte, allen voran Thomas Hürlimanns «Heimkehr». Auch ihn hat Peter Stamm zweifellos gemeint, wenn er dem Publikum empfahl: «Lesen sie nicht ein Buch, lesen sie fünf, zehn, zwanzig!»

Der elfte Schweizer Buchpreis hat jedenfalls keinen falschen getroffen. Die Feier im Foyer des Basler Theaters wurde würdig und professionell abgewickelt. Unwürdig nur, die wunderbaren Streicher der Musik-Akademie Basel als Hintergrundmusik zu missbrauchen. Und warum strahlt das SRF die Veranstaltung nicht am Fernsehen aus? Frau Wappler, übernehmen Sie!


Vorwärts, aber wohin? Auf einem langen Spaziergang durchs trübe Stockholm lässt Peter Stamm seine Hauptfigur erzählen. Foto: Hannes Runelöf (Getty Images)


Erstellt: 11.11.2018, 16:19 Uhr

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