Analyse

Roman fürs Smartphone

Lesestoff für die Generation Facebook: Bastei-Lübbe lanciert den ersten digitalen Serienroman fürs Smartphone.

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Der Vatikan brennt. Der deutsche Papst ist verschwunden, dafür tauchen okkulte Manuskripte und die üblichen Dunkelmänner – Templer, Opus Dei, Serienmörder – auf. Ist Satan zurückgekehrt? Der Journalist Peter Adam ermittelt. Der Inhalt, pardon: Content des neuen Verschwörungsthrillers aus dem Hause Bastei-Lübbe ist altbekannt, seine Vertriebsform neu: «Apocalypsis» ist der erste digitale Serienroman. Seit dieser Woche wird er als Hörbuch-Download, E-Book und App für i-Pads und Android-Smartphones angeboten; eine Printversion erscheint erst Anfang nächsten Jahres.

Eine Folge kostet je nach Plattform zwischen 1.49 und 2.39 Euro; wer alle 36 Teile herunterladen will, zahlt bis zu 86 Euro. Das ist ein bisschen viel für Kolportage, auch wenn sie durch allerlei interaktive Gimmicks, Videos und Spielchen angereichert worden ist. Aber das digitale Buch ist im Kommen. Kaum ein Verlag will den Megatrend verschlafen, schon gar nicht Bastei-Lübbe, der mit Heftchenromanen und Dan Brown gross geworden ist.

Der Schriftsteller als Content-Lieferant

Autor von «Apokalypsis» ist übrigens Mario Giordano, ein alter «Tatort»-Haudegen. Wobei «Autor» wohl nicht mehr das richtige Wort ist. Der Schriftsteller der Zukunft, erklärt Projektleiter Oliver Pux, sei flexibel, «actiongetrieben» und klebe nicht mehr an jedem Wort. Der Contentlieferant hat keinen gesteigerten literarischen Ehrgeiz, sondern die Devise «Ja, hauen wir rein». So wird die Generation Facebook an das Buch und der alte analoge Leser an «veränderte Lesegewohnheiten» herangeführt.

Pux spricht mit grosser Begeisterung von seiner Weltneuheit, aber die Bücherdämmerung steht trotzdem nicht unmittelbar bevor. Der Marktanteil des E-Books liegt in Deutschland noch unter einem Prozent. Die Verlage experimentieren zwar fieberhaft, aber ein befriedigendes Bezahlmodell ist noch nicht gefunden, und das Publikum hält sich bislang zurück.

Und ganz so neu ist der App-Roman auch wieder nicht. In Japan ist das Buch fürs Handy ein alter Hut. Stephen King und selbst Elfriede Jelinek schrieben schon vor Jahren Fortsetzungsromane fürs Internet, mit sehr überschaubarem Erfolg. Wahrscheinlich waren sie noch nicht flexibel genug.

Erstellt: 25.10.2011, 08:40 Uhr

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