«Schafft den Schweizer Buchpreis ab!»

Der Schriftsteller Lukas Bärfuss wirft in der FAZ den Veranstaltern vor, Druck auf die Jury auszuüben.

Schrifststeller und Dramaturg: Lukas Bärfuss im Schauspielhaus Pfauen in Zürich. Bild: Esther Michel

Schrifststeller und Dramaturg: Lukas Bärfuss im Schauspielhaus Pfauen in Zürich. Bild: Esther Michel

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Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss will den Schweizer Buchpreis «in seiner heutigen Form» abschaffen. In einem Artikel in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» von Dienstag kritisiert er den Ablauf der Jubiläumsveranstaltung vom 11. November und wirft den Veranstaltern – dem Verein Literatur Basel und dem Schweizerischen Buchhändler- und Verlegerverband SBVV – vor, Druck auf die Jury auszuüben. Deren Vertreter nähmen nicht nur an den Jurysitzungen teil, sondern sie nähmen auch Einfluss. Wegen des Interesses der Veranstalter, gut verkäufliche Autorinnen und Autoren auszuzeichnen, «scheint man sich entschlossen zu haben, bei den Nominierungen mitzudrehen».

«Kein Verlag, kein Autor, denen etwas an ihrer Reputation gelegen ist, werden zukünftig ihre Titel ins Rennen um das beste Buch schicken, wenn sie damit rechnen müssen, dass keine unabhängige Jury, sondern Verbandsfunktionäre über Wohl und Wehe, über Nominierte und damit Preisträger entscheiden», schreibt Lukas Bärfuss. Er fordert «Untersuchungen» durch «Geldgeber und Veranstalter».

Den Buchpreis in seiner heutigen Form müsse man «für tot erklären». Bis zur «vollständigen Remedur» würden Lesern bei einem ausgezeichneten Buch Zweifel kommen, «ob die rote Medaille auf dem Umschlag vielleicht keine Ehre sei, vielmehr eine peinliche Banderole, ein Symbol für den Niedergang des Literaturbetriebes einer zivilisierten Nation». Bärfuss hat den Schweizer Buchpreis 2014 für «Koala» erhalten und war 2008 unter den Nominierten.

Kritik am «Kanalisationsniveau»

SBVV und Literatur Basel weisen in einer Medienmitteilung von gestern die Vorwürfe von Bärfuss als «unhaltbar» zurück. «Der Schweizer Buchpreis ist aller Ehren wert», heisst es, Einflussnahme habe es nie gegeben. SBVV-Geschäftsführer Dani Landolf sagte dieser Zeitung: «Seit zehn Jahren bin ich Beisitzer an den Jury-Sitzungen. Ich habe mich dabei nie inhaltlich an den Diskussionen beteiligt noch je auf die Jury irgendwelchen Druck ausgeübt. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich irgendjemand unserer Jury-Mitglieder dies hätte gefallen lassen. Dass der Vorwurf der Einflussnahme des SBVV absurd ist, zeigt schon die Tatsache, dass in zehn Jahren Schweizer Buchpreis dieser nur einmal an einen Schweizer Verlag ging.»

Die diesjährige Jury betonte in einer Erklärung, dass «die fünf Jurymitglieder ihren Entscheid auf der Grundlage ihrer persönlichen Überzeugungen unabhängig getroffen» hätten.

Lukas Bärfuss geht auch noch einmal auf die Misstöne bei der Feier zum Zehnjahre-Jubiläum des Buchpreises am 12. 11. in Basel ein. Er sieht im Ablauf der Feier eine «Verrohung der Sitten», für einen Ausdruck der «hierzulande verbreiteten Tendenz, das Niveau einer literarischen Veranstaltung auf Kanalisationsniveau zu senken». Autoren, die gegen das Fernbleiben von Urs Faes bei der Preisverleihung protestieren wollten, seien von der Festivalleiterin «physisch angerempelt» worden, ihre Statements auf der Bühne vom «Staatssender» zensuriert. SBVV und Literatur Basel weisen allerdings ­darauf hin, dass das Schweizer Radio die Veranstaltung am Sonntagabend vollständig ausgestrahlt hat – mitsamt den Autoren-Statements. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2017, 18:01 Uhr

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