Solothurner Literaturpreis für Peter Bichsel

Seit Jahren lebt der gebürtige Luzerner Schriftsteller in Solothurn. Nun erhält er eine literarische Ehrung seiner Heimat.

Ehrung am 4. Juli: Der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel.

Ehrung am 4. Juli: Der Schweizer Schriftsteller Peter Bichsel. Bild: Keystone

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Zwanzig Jahre nach der ersten Preisvergabe wird mit Peter Bichsel ein Schriftsteller mit dem Solothurner Literaturpreis geehrt, der das einheimische Schaffen der Gegenwart wie kein zweiter geprägt hat.

«Peter Bichsel ist nicht nur Autor eines grossen literarischen Werkes von einzigartiger Vielfalt und Prägnanz. Er ist auch ein Förderer der jungen Schweizer Literatur und ein republikanischer Mahner in der Nachfolge von Max Frisch», heisst es in der Jurybegründung.

Der mit 20'000 Franken dotierte Preis wird Bichsel am 4. Juli in Solothurn feierlich überreicht. Für sein literarisches Gesamtwerk von knapp zehn - meist schmalen - Bänden wurde Peter Bichsel mit insgesamt 20 Preisen bedacht.

Immer schon ein Dichter

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs in Olten auf. Als Kind wollte der Sohn eines Malermeisters nach eigenen Angaben Förster werden. Auch Abenteurer und Clochard waren Optionen. Schriftsteller war nie sein Berufswunsch, sagt er, denn er glaubte schon immer, er sei einer.

Peter Bichsel schrieb als Bub Gedichte und gewann mit zwölf den Schreibwettbewerb einer Frauenzeitschrift. Während der Ausbildung zum Primarlehrer - den Beruf übte er von 1956 bis 1968 aus - veröffentlichte er Gedichte in «Spirale - Zeitschrift für Konkrete Kunst und Gestaltung».

Mit Konkreter Poesie habe er angefangen und eigentlich nie aufgehört, sagt Bichsel in Eric Bergkrauts Filmbiografie «Zimmer 202». Seine kurze Prosa, die «irgendwie aus meiner Lyrik herausgewachsen» ist, war bei ihrem Erscheinen eine Sensation.

Raffiniert schlicht

Nachdem erste Geschichten aus dem nur 50-seitigen Büchlein «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» in der Sonntagsbeilage der «NZZ» erschienen waren, wurde Bichsel 1964 von der renommierten «Gruppe 47» eingeladen und im Jahr darauf für «Die Jahreszeiten» mit deren Preis ausgezeichnet.

1969 erschien mit «Kindergeschichten» Bichsels einziges Buch, das den Erfolg der «Milchmann»-Sammlung wiederholen konnte. Die Geschichten kennt heute fast jedes Kind: die vom Mann, der erfahren will, ob die Erde rund ist, indem er immer geradeaus geht oder die von dem, der Dinge so lange umbenennt, bis ihn keiner mehr versteht.

Bichsels einfache Prosa sei «die höchste Form des Raffinements», schwärmt der Literaturwissenschaftler Peter von Matt in Bergkrauts Film - «so raffiniert, dass es einfach wirkt».

Raffinierte Schlichtheit prägt Bichsels gesamte erzählerische Prosa seit den «Kindergeschichten» von 1969 über «Der Busant» (1985) und «Zur Stadt Paris» (1993) bis zu «Cherubin Hammer und Cherubin Hammer» (1999).

Bundesratsberater

Neben Erzählungen und den legendären Essays zur Schweiz hat Bichsel seit 1975 mehr als 300 Kolumnen für Publikumszeitschriften geschrieben. «Für den Moment verfasst, widerstehen sie auf verblüffende Weise dem zeitlichen Verfall», lobt die Solothurner Jury. Bichsel habe damit «eine journalistische Textform zu literarischem Rang erhoben».

1974 bis 81 war Bichsel Berater und Redenschreiber von Bundesrat Ritschard. Später war er Gastdozent an deutschen und US- Bildungsinstitutionen und machte Leserreisen durch Europa, Ägypten, Australien und Neuseeland.

Sein Lebens- und Schreibbiotop bleibt Solothurn, vor allem die dortigen Beizen mit ihren Faktoten, Angebern und anderen Leuten, «die Chabis erzählen», sagte Bichsel in einem Interview anlässlich seines 75. Geburtstags. (net/sda)

Erstellt: 18.05.2011, 17:01 Uhr

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