Solothurner Literaturtage vermelden Besucherrekord

Die 33. Solothurner Literaturtage sind Geschichte. 12'500 Interessierte – 1500 mehr als im Rekordjahr 2010 – besuchten während drei Tagen die etwa 100 Veranstaltungen.

12'500 Interessierte pilgerten an die Literaturtage: Leute schmökern in der Altstadt von Solothurn in Büchern.

12'500 Interessierte pilgerten an die Literaturtage: Leute schmökern in der Altstadt von Solothurn in Büchern. Bild: Keystone

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Besonders die französischsprachigen Lesungen seien an den Solothurner Literaturtagen heuer deutlich besser besucht gewesen als in früheren Jahren, sagte Geschäftsführerin Veronika Jaeggi der Nachrichtenagentur SDA. Von den etwa achtzig Autoren, die dieses Jahr in Solothurn lasen, stammten vierzig aus der Deutschschweiz, acht aus der Romandie und je zwei waren Rätoromanen und Tessiner. Die übrigen reisten aus zehn weiteren Ländern an.

Zum Ausklang der Literaturtage lockte die Mundart: Eine Doppellesung mit dem Solothurner Ernst Burren und dem Langenthaler Pedro Lenz sowie eine Hommage an den Berner Mundartpionier Ernst Eggimann sorgten für einen brechend vollen Landhaussaal.

Fundus Familie

Am Abend zuvor hatte der Oltener Alex Capus nicht minder viel Zulauf. Er sorgte für den bei Lesungen oft vermissten Mehrwert und garnierte Auszüge aus seinem Roman «Leon und Luise» mit launigen Geschichten, darunter derjenigen seiner eigenen Zeugung.

Capus passte gut ins Festivalthema «Fakt & Fiktion»: Für die Gestaltung seiner Romanfigur Leon bediente er sich im Fundus der eigenen Familiengeschichte - bei der Biografie seines Grossvaters. Dass auch Grossmütter Steinbrüche für Geschichtenerzähler sein können, hatten am Freitag Susanna Schwager und Wilfried Meichtry gezeigt.

Schwager zeichnete in «Ida» eine schicksalsergebene Frau, die ihr Leben statt der Familie lieber dem Herrgott gewidmet hätte. Und Meichtrys Maya aus «Hexenplatz und Mörderstein» erzählt unglaubliche Geschichten, die sich bei der Nachrecherche als erstaunlich akkurat erwiesen.

Zoë Jennys Sprachwechsel

Auch Zoë Jenny verankerte ihr neues Werk im Konkreten - der Finanzkrise, den Londoner Bombenanschlägen und dem eigenen, lange unerfüllt gebliebenen Kinderwunsch. «The Sky is Changing» hat die gefeierte Autorin von «Das Blütenstaubzimmer» (1997) in Englisch geschrieben, der Sprache ihrer neuen Heimat Grossbritannien.

Hochdeutsch sei für sie als Baslerin ebensowenig Muttersprache wie Englisch, erklärte die 37-Jährige am Sonntag in Solothurn, aber Englisch eigne sich besser zum Erzählen als Deutsch. Mit Regi Claire aus Schottland las neben Zoë Jenny eine weitere Deutschschweizerin, die englische Literatur verfasst.

Courtney Love und Marlon Brando

In den englischsprachigen Raum führte auch Bernadette Conrad mit «Die vielen Leben der Paula Fox», für das die Konstanzerin am Samstag ausserordentlich viel Applaus erhielt. Sie erzählt darin mit verschiedenen literarischen Mitteln und Originaltexten collageartig das wechselvolle Leben der berühmten US-Autorin Fox.

Die heute 88-Jährige hatte unter anderem mit 70 erfahren müssen, dass die Skandalnudel Courtney Love ihre Enkelin ist. Loves Behauptung, Marlon Brando sei Fox' Liebhaber gewesen und somit Loves Opa, sei allerdings nicht wahr, hatte die Autorin gegenüber ihrer Biografin Conrad bekräftigt.

Österreich

Die österreichische Literatur war ein weiterer Schwerpunkt der Literaturtage. Unter den angereisten Autoren fand Arno Geiger mit «Der alte König in seinem Exil» über die Alzheimer-Krankheit seines Vaters das meiste Publikum. Geiger reiste von Solothurn nach Bad Homburg weiter, wo er den Hölderlin-Preis entgegennehmen durfte. (kpn/sda)

Erstellt: 06.06.2011, 07:07 Uhr

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