Suter, ein verhätschelter Staatskünstler?

Der «Blick» greift Autor Martin Suter an. Mit ihm würde ein Bestsellerautor vom Staat mit 140'000 Franken unterstützt. Schauen wir uns den Betrag und seine Verwendung einmal genauer an.

Man stürzt sich auf einen Grossen – und spielt ihn gegen die Kleinen aus: Autor Martin Suter.

Man stürzt sich auf einen Grossen – und spielt ihn gegen die Kleinen aus: Autor Martin Suter. Bild: Keystone

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«Staat veredelt Edelfeder» – die Schlagzeile ist schmissig, mit welcher der «Blick» in seiner heutigen Ausgabe einen Frontalangriff gegen Martin Suter platziert. Und selbstverständlich klingt es stossend, dass ausgerechnet das Werk eines Bestsellerautors wie Suter vom Schweizer Staat mit 140'000 Franken unterstützt wurde, womit er einer der «meistgeförderten» Literaten sei. So zumindest die Ansichten des «Blicks».

Schaut man sich die Zahl von 140'000 Franken etwas genauer an, gewinnt man ein differenzierteres Bild. Denn Martin Suter hat von dem sechsstelligen Betrag kaum etwas gesehen. Das gilt auch für den Zürcher Diogenes-Verlag, in dem Suters Bücher in sechs- bis siebenstelligen Auflagen erscheinen. Bei den insgesamt 140'000 Franken handelt es sich grösstenteils um Beiträge, welche die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia seit 2003 an Übersetzer gesprochen hat. Das Geld ging also an Literaten, die den Schweizer Autor in die jeweilige Landessprache übertragen haben. So etwa ins Griechische, Bulgarische, Norwegische, Ungarische oder Serbische, also grösstenteils in Nationalsprachen, in denen Martin Suter nur schon angesichts der Kleinheit der jeweiligen Märkte kein Kassenschlager werden wird. Und ohne die Beiträge von Pro Helvetia in Höhe von wenigen tausenden Franken wären die Bücher von Martin Suter in diesen Ländern wohl gar nicht erst erschienen.

Lesungen über Werkstipendien

Ein Segen sind die Übersetzungsbeiträge aber auch für die Schweizer Literatur, die mit Suter einen populären Autor als Aushängeschild hat. Denn so sind die Übersetzungsbeiträge gedacht: als Förderung der Literatur, mit der ein Stück Schweizer Kultur im Ausland bekannt und populär gemacht werden soll. Dafür werden Nachwuchs- und Nischenautoren übersetzt und auf Lesereisen geschickt. Dafür nutzt Pro Helvetia aber auch alle grossen Namen der Schweizer Literatur – von Martin Suter bis hin zu längst verstorbenen wie etwa Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt, wobei Letzterer im vergangenen Jahr noch mit gut 13'000 Franken für Übersetzungen ins Portugiesische und Italienische von Pro Helvetia «gefördert» wurde.

Nicht zuletzt kann keine Rede davon sein, dass der Schweizer Staat die auflagenschwachen Autoren «verhungern» lasse, wie es der «Blick» behauptet: Die Schweizer Literaturszene kennt zahlreiche lokale, kantonale und nationale Fördermassnahmen für die «Kleinen» – von Zuschüssen für Lesungen über Werkstipendien bis hin zu den Schweizer Literaturpreisen.

Martin Suter hat bisher nur einmal einen substanziellen Beitrag vom Staat erhalten: 1997 bekam er die Ehrengabe des Kantons Zürich für seinen Erstlingsroman «Small World». Dotiert war diese Ehrengabe mit gerade einmal 5'000 Franken. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.02.2015, 13:03 Uhr

«Blick»-Titelseite vom 25.2.2014.

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