Tomas Tranströmer ist tot

Der Literaturnobelpreisträger ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Tomas Tranströmer (6. Oktober 2011).

Tomas Tranströmer (6. Oktober 2011). Bild: Keystone

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Der Lyriker starb im Alter von 83 Jahren, wie das «Svenska Dagbladet» unter Berufung auf die Schwedische Akademie berichtet.

Der Autor hatte im Jahr 2011 die wichtigste Literaturauszeichnung der Welt erhalten und zuvor seit Jahren als einer der Favoriten gegolten. Die Arbeiten des Lyrikers wurden in rund 60 Sprachen übersetzt. Das Gesamtwerk Tranströmers, der nach einem schweren Schlaganfall vor 24 Jahren sprechbehindert war, ist mit rund 100 Texten auf 500 Seiten überschaubar.

Geboren wurde Tomas Tranströmer am 15. April 1931 als Sohn einer Volksschullehrerin und eines Journalisten in Stockholm. Er widmete sich dem Studium von Literaturgeschichte und Poetik, Religionsgeschichte und Psychologie an der Uni Stockholm. Zu dieser Zeit veröffentlichte er auch seine ersten Gedichte in verschiedenen Zeitschriften.

1954 erschien dann die erste Gedichtsammlung, eines der meistbeachteten Debüts des Jahrzehnts. Dennoch sollte es noch fast drei Jahrzehnte dauern, ehe die Kritik auch international auf Tranströmer aufmerksam wurde.

Meister der Verknappung

1958 heiratete Tranströmer Monica Bladh, mit der er ab dann in Stockholm lebte. Mit den folgenden Gedichtsammlungen Ende der 50er- und Anfang der 60er-Jahre festigte er bei Kritik und Leserschaft den Ruf als einer der bedeutendsten Lyriker seiner Generation.

Zu dieser Zeit arbeitete Tranströmer zunächst als Anstaltspsychologe für jugendliche Strafgefangene. Von 1966 bis zu seinem ersten Schlaganfall schrieb er Gedichte, halbtags war er als Berufsberater in verschiedenen Arbeitsämtern tätig. Robert Bly machte den Dichter schliesslich in den USA bekannt.

Heute liegen Texte von Tranströmer in über 60 Sprachen vor. Die meisten der Arbeiten zeichnen sich durch Schlichtheit, Konkretion und treffende Metaphern aus. «Wo andere hundert Worte machen würden und zehn genügten, da gibt uns Tranströmer ein einziges», meinte der Kritiker Heinrich Detering in der «FAZ» über Tranströmers «Das grosse Rätsel».

Der schwedische Schriftstellerkollege Lars Gustafsson schrieb in «Dagens Nyheter»: «Er ist ein Mystiker, ein Dichter, der Null gesehen hat, den leeren Punkt im Zentrum, ohne den nichts ist.»

Zur Rebellion ungeeignet

Im Gefolge der 68er-Bewegung hatten sich viele Leser von Tranströmer abgewandt. Seine zuversichtliche, wenig konfrontative Poesie leiste keinen Beitrag zu den Tagesdiskussionen, lautete der Vorwurf der Kritiker damals. Tranströmer hatte gekontert, dass sein Schaffen nicht auf Ideologien, sondern auf Visionen zurückzuführen sei.

In den vergangenen Jahren war Tranströmers Genie jedoch weitgehend unbestritten, laut Schwedens grösster Zeitung «Aftonbladet» war er der «Poet, den alle lieben». Und bei der Bekanntgabe des Nobelpreises brandete allgemein Jubel auf. (sda)

Erstellt: 27.03.2015, 16:46 Uhr

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