Von Buchstaben zu Zahlen

«Publishers in Residence»: Im Strauhof zeigen ­Schweizer Verlage, was sie machen, was sie können und worunter sie leiden.

Über 100 Verlage gibt es in der Deutschweiz: Buch- und Medienmesse Buch Basel.

Über 100 Verlage gibt es in der Deutschweiz: Buch- und Medienmesse Buch Basel. Bild: Georgios Kefalas/Keystone

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Die Decke im ersten Stock des Strauhofs hängt ein wenig durch. Der Boden knarrt unter jedem Schritt. Bevor der neue Trägerverein das Haus für sein ­Literaturprogramm übernimmt, zeigen die Deutschschweizer Buchhändler- und Verlegerverbände SBVV, ZBVV und Swips mit ihrem Projekt «Publishers in Residence», was Verlagsarbeit praktisch bedeutet.

Rund dreissig Deutschschweizer Verlage gestatten seit Anfang Februar einen Blick hinter die Kulissen des Bücher­machens. Der Publikumszulauf ist nicht überwältigend, aber für Dani Landolf, Geschäftsführer des SBVV, zufriedenstellend. Der Strauhof sei halt eine schwierige Lokalität, da er recht versteckt liege. Unter den knapp fünfzig Veranstaltungen sind Vorträge, Buchpremieren (wie die Präsentation eines Wilfrid-Moser-Zeichnungsbandes bei Scheidegger & Spiess), Workshops, Verlagsvorstellungen und die Reihe «Heute im Büro». Dabei kann man Verlegern bei der Arbeit über die Schulter schauen.

Faktencheck bei Nagel & Kimche

Vergangenen Donnerstag etwa Dirk Vaihinger, Verlagsleiter bei Nagel & Kimche, bei einem «Faktencheck» zu Eveline Haslers neuem Roman «Stürmische Jahre», der im Herbst erscheinen wird. Der Roman spielt im Zürich der 30er-Jahre. «Der Leser verlässt sich darauf, dass die Fakten stimmen», sagt Vaihinger. Er muss – dem Internet sei Dank – nicht in Archiven wühlen, sondern kann die Fakten am Laptop überprüfen. Es geht vor allem um Details. Wie wurde das Schauspielhaus früher bezeichnet? Als Lustspielhaus oder als Variété­theater – kein unwichtiger Unterschied. Denn es sind genau solche Details, die für die Glaubwürdigkeit eines Romans stehen. Auch eine solche Prüfung, Seite für Seite, ist keine Garantie für ein fehlerfreies Buch. Denn auch bei Lektoren herrscht Zeitdruck.

Am Freitag wurde es dann politisch. Die Kulturbotschaft für die Jahre 2016 bis 2020 ist gerade im Parlament. Erstmals sind darin zwei Millionen Franken für Verlagsförderung vorgesehen. Wie bitter nötig diese gerade nach dem Franken-Schock des 15. Januar ist, darüber waren sich die Diskutanten einig, von Danielle Nanchen, zuständig für kulturelles Schaffen beim Bundesamt für Kultur, bis zur BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti, die der Kulturkommission angehört.

Wer erhält wie viel Geld?

Die vorgesehene Summe ist niedrig angesetzt, damit es leichter ist, sie durchs Parlament zu bringen. Von österreichischen Zuständen, über die Alexander Potyka vom Hauptverband des Nachbarlandes berichtete (dort ist Verlagsförderung seit langem institutionell und grosszügig etabliert), wird die Schweiz auch künftig weit entfernt sein.

Die Lage ist dramatisch. 150 000 Franken seien von einer Sekunde auf die andere aus der Bilanz verschwunden, berichtete Lucien Leitess vom Zürcher Unionsverlag. «Man muss die Verlage jetzt unterstützen.» Der Teufel wird auch hier im Detail stecken. Wer soll wie viel Geld erhalten, nach welchen Kriterien? Da gingen die Meinungen auf dem Podium auseinander. Aber dass die Schweiz ihre Verlage endlich fördern muss – wie sie Museen, Theater, Orches­ter, den Film unterstützt: Das ist für niemanden, der sich in der Branche auskennt, eine Frage. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2015, 22:03 Uhr

Publishers in Residence: Noch bis 25. 4.

Die nächsten Veranstaltungen: Die ­Hermann-Burger-Edition. Gespräch zwischen Simon Zumsteg, Dirk Vaihinger und Thomas Strässle: Fr 6. 3., 19 Uhr.

Manuskriptsprechstunde. Mit Sara Schindler (Kein & Aber). Bringen Sie Ihr Manuskript mit! Sa 7. 3., 15 Uhr.

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