Aberwitzige Action und schwarzer Humor

Krimi der Woche: Der satirische Krimi-Klamauk «Krasse Killer» des Amerikaners Joe R. Lansdale ist ebenso irrwitzig wie lustig.

Die Krimi-Satire lebt mehr von der aberwitzigen Action und dem schwarzen Humor als vom eigentlichen Plot: «Krasse Killer» von Joe R. Lansdale.

Die Krimi-Satire lebt mehr von der aberwitzigen Action und dem schwarzen Humor als vom eigentlichen Plot: «Krasse Killer» von Joe R. Lansdale. Bild: Karen Lansdale

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Der erste Satz:
Wir sind wirklich nicht auf Ärger aus, Leonard und ich.

Das Buch:
Empfindsame Seelen, was explizite Sprache und Handlungen angeht, seien vorab gewarnt: Dieses Buch strotzt nur so von wüsten Schlägereien, vulgären Witzen, sexistischen Sprüchen, blutiger Gewalt, derben Scherzen, tödlichen Schiessereien, absurden Wendungen, comicartigen Figuren und allerhand weiterem Blödsinn. Aber es ist unglaublich lustig.

Das Buch heisst «Krasse Killer» – der etwas behämmert klingende deutsche Titel des im Original so hübsch mit «Honky Tonk Samurai» betitelten Romans ist dem Stabreim der Reihe geschuldet («Wilder Winter», «Mucho Mojo», «Das Dixie-Desaster» usw.). Es ist der neunte Band der Serie um Hap Collins und Leonard Pine, zwei Freunde, die in jedem Roman unweigerlich in ebenso chaotische wie lebensgefährliche Ereignisse geraten. Hap, der Icherzähler, ist weiss, hetero, geschieden, liiert mit einer Krankenschwester; Leonard ist schwarz, schwul, in einer On-Off-Beziehung mit einem bigotten Boy, der sich von seiner Familie immer wieder einreden lässt, dass Schwulsein eigentlich eine Krankheit sei, und Country-Music-Fan. «Er sah immer noch so aus, als könnte er einen LKW aufs Kreuz legen, ihn in den Benzintank ficken, ihn schwängern und ihn seine Benzin-Kinder austragen lassen», heisst es einmal über den stattlichen Leonard, der keiner Prügelei aus dem Weg geht.

Ersonnen hat das schrägste Duo in der Kriminalliteratur seit Sherlock Holmes und Dr. Watson der amerikanische Meisterautor Joe R. Lansdale. Der vielfach preisgekrönte Erzähler aus Nacogdoches, Texas, ist auch in Genres wie Western, Horror, Science-Fiction und Abenteuer sattelfest. Auch «Batman»-Comics hat er schon getextet. Einer Superhelden-Bildergeschichte entsprungen scheint auch Vanilla Ride, die Hap und Leonard um Hilfe ruft; die Scharfschützin, die so enge Kleider trägt, dass sich die Münzen in der Hosentasche abzeichnen, trifft alles.

Eigentlich sind Hap und Leonard ja weichherzige Gesellen. Ihr neues Abenteuer beginnt damit, dass sie einen Typen, der seinen Hund misshandelt, windelweich prügeln und dem armen Hund ein neues Zuhause geben. Eine Nachbarin des Tierquälers engagiert Hap und Leonard dann, um ihre vor Jahren verschwundene Enkelin zu suchen. Wie es weitergeht in der irrwitzigen Geschichte, in der es drunter und drüber geht und manche Leiche am Wegesrand zurückbleibt, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Diese Krimi-Satire lebt mehr von aberwitziger Action und schwarzem Humor als vom eigentlichen Plot. Und von einer Männerfreundschaft, die jenseits der groben Foppereien auch ganz feinfühlig und zart daherkommen kann. «Falls irgendetwas schiefgeht, muss ich dir noch was gestehen», sagt Leonard zu seinem Freund, bevor sie in einen gefährlichen Kampf aufbrechen, «einmal habe ich deine Zahnbürste benutzt.» Hap reagiert pikiert, will es genauer wissen. «Als ich letztes Mal bei euch übernachtet hab», antwortet Leonard, «ich wollte die Kloschüssel putzen, und da war sie eben grad zur Hand.»

Die Wertung:

Der Autor:
Joe R. Lansdale, geboren 1951 in Gladewater, Texas, ist ein erfolgreicher Autor, der in verschiedenen Genres mehr als 40 Romane veröffentlicht hat. Zunächst widmete er sich vor allem dem Horror- und dem Science-Fiction-Genre. Bekannt ist er auch für Western und für seine Krimis, insbesondere für seine witzige Krimireihe um Hap und Leonard, die jetzt auch als TV-Serie verfilmt wird. Lansdale ist vielfach preisgekrönt, er erhielt unter anderem zehnmal den Bram Stoker Award, wurde mit dem British Fantasy Award, dem American Horror Award, dem Edgar Award und dem World Horror Convention Grand Master Award ausgezeichnet. Neben der Literatur beschäftigt sich Lansdale auch mit Martial Arts, Kampfkünsten. An seiner eigenen Martial-Arts-Schule in Nacogdoches, Texas, unterrichtet er ein eigenes Selbstverteidigungssystem; er wurde in die United States Martial Arts Hall of Fame und in die International Martial Arts Hall of Fame aufgenommen. Joe R. Lansdale lebt mit seiner Frau Karen in Nacogdoches, Texas. Seine Tochter Kasey Lansdale schreibt ebenfalls Bücher, ist Schauspielerin und hat zudem vor zehn Jahren eine Karriere als Country-Singer/Songwriterin gestartet. Sohn Keith Lansdale ist Journalist und Drehbuchautor.

Joe R. Lansdale: «Krasse Killer» (Original: «Honky Tonk Samurai», Mullholland Books, New York, 2016). Aus dem Amerikanischen von Robert Schekulin. Golkonda-Verlag, München, 2017. 380 S., ca. 23 Fr. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.11.2017, 11:44 Uhr

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