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Abschied vom Ich

Ben Lerners hoch komischer Roman «22:04» lässt einen Dichter durch die digitale Welt stolpern. Ein aufregendes Buch über unsere Zeit und die Suche nach einer Utopie.

Am Ort des fiktiven Geschehens: Schriftsteller Ben Lerner bei einem Besuch im Metropolitan Museum in New York. Foto: Jake Naughton (Redux, Laif)
Am Ort des fiktiven Geschehens: Schriftsteller Ben Lerner bei einem Besuch im Metropolitan Museum in New York. Foto: Jake Naughton (Redux, Laif)

Das Problem des Erzählers ist, dass seine Aorta jederzeit reissen könnte – was er sich als «wild schlenkernden Schlauch» vorstellt, der «Blut in mein Blut spritzt». Wie unrichtig auch immer diese Vorstellung ist, sie belastet den namenlosen Helden in Ben Lerners Roman «22:04» sehr. Man kann ihn sich, wie ungenau auch immer, als Version des echten Ben Lerner vorstellen, der tatsächlich am Marfan-Syndrom leidet, einer Erbkrankheit, die zum Riss der Aortenwand führen kann. Deren Durchmesser muss man regelmässig überprüfen – eine zusätzliche Qual für den Helden von «22:04», der ohnehin an neurotischer Selbstbeobachtung leidet.

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