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Als Europa am Boden lag

In «Der wilde Kontinent» erzählt Keith Lowe von den «Jahren der Anarchie» von 1943 bis 1950. Der Zweite Weltkrieg war zu Ende, aber was folgte, waren Racheakte und Säuberungen.

Auch in Ungarn brachte der Frieden neue Gewalt: 1947 stürmen Kommunisten eine Versammlung der Partei «Freiheit» in der Stadt Szeged. Foto: B. I. Sanders (AP Photo)
Auch in Ungarn brachte der Frieden neue Gewalt: 1947 stürmen Kommunisten eine Versammlung der Partei «Freiheit» in der Stadt Szeged. Foto: B. I. Sanders (AP Photo)

Europa ist, trotz Eurokrise, Jugend­arbeitslosigkeit und Altersträgheit, aufgeblähter Bürokratie und permanenter Uneinigkeit, ein beneidenswerter und von vielen heftig beneideter Kontinent. Dass dies in nur 70 Jahren zustande kam, kann man getrost als historisches Wunder bezeichnen.

Denn 1945 sah es hier vielfach so aus wie heute in «failed states» wie Somalia: Ein Grossteil der Gebäude war zerstört, ebenso lagen Verkehrswege und Infrastruktur darnieder, es gab keine Verwaltung, keine staatliche Autorität, für Millionen kein Dach über dem Kopf und nichts zu essen. Marodierende Banden plünderten, Vertriebene irrten umher, befreite Opfer machten mit ihren Peinigern kurzen Prozess, und in manchen Gegenden ging der Krieg nicht zu Ende, sondern als Bürgerkrieg weiter.

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