Alternativer Nobelpreis: Peter Stamm nominiert

Der Schweizer ist der einzige Autor deutscher Sprache, der es auf die Liste mit 47 Anwärtern geschafft hat. Der Gewinner wird in einem einmaligen Verfahren gekürt.

Peter Stamm befindet sich als Nominierter für den «Alternativen Literaturnobelpreis» in illustrer Gesellschaft – vorgeschlagen sind unter anderem auch Margaret Atwood, Paul Auster, Don DeLillo und Ian McEwan. Bild: Keystone

Peter Stamm befindet sich als Nominierter für den «Alternativen Literaturnobelpreis» in illustrer Gesellschaft – vorgeschlagen sind unter anderem auch Margaret Atwood, Paul Auster, Don DeLillo und Ian McEwan. Bild: Keystone

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2018 wird kein Literaturnobelpreis verliehen. Die Schwedische Akademie, die die wichtigste Auszeichnung der literarischen Welt verleiht, ist infolge eines MeToo-Skandals implodiert und handlungsunfähig. Ob und wie sie 2019 ihre Arbeit wieder aufnehmen kann, ist ungewiss. Nun ist eine Gruppe vornehmlich schwedischer Intellektueller wenigstens für ein Jahr in die Bresche gesprungen. Die «Neue Akademie», gegründet von der TV-Journalistin Alexandra Pascalidou, will am 14. Oktober den Träger des «Alternativen Literaturnobelpreises» bekannt geben, ihn am 10. Dezember überreichen und sich selbst am Tag darauf auflösen.

Begründet wird die Aktion mit der aktuellen Bedrohung humaner Werte; Literatur als Gegenkraft müsse gestärkt werden. Das Werk des Preisträgers soll für Demokratie, geistige Offenheit, Empathie und Respekt stehen – eine ähnliche moralische Orientierung wie die beim «richtigen» Nobelpreis geforderte «idealistische Richtung».

Spannend ist das Verfahren, mit dem der Preis, der einmalig bleiben soll, ermittelt wird. 200 schwedische Buchhändler haben Vorschläge eingereicht. Die 47 Namen umfassende Nominationsliste steht nun für ein Internet-Voting auf der Webseite der «Neuen Akademie», bis 14. August kann jeder abstimmen. Die drei meistgenannten werden von einer Jury um einen vierten Kandidaten ergänzt, aus diesen vieren wählt die Jury den Preisträger. Diese Jury besteht aus vier Vertretern des schwedischen Kulturlebens, Vorsitzende ist die Verlegerin Ann Palsson.

Unter den 47 Nominierten findet sich ein einziger Autor deutscher Sprache: Es ist der Schweizer Peter Stamm. Er befindet sich in illustrer Gesellschaft, mit Margaret Atwood, Paul Auster, Don DeLillo, Ian McEwan, Joyce Carol Oates, Amos Oz, Zadie Smith oder Ngugi wa Thiong’o stehen etliche Dauer-Kandidaten für den «richtigen» Nobelpreis auf der Liste. Sie ist auch originell: den jungen Franzosen Edouard Louis oder Joanne K. Rowling hätte man dort nicht vermutet.

Erstellt: 17.07.2018, 12:10 Uhr

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