Zum Hauptinhalt springen

«Das Gift heisst Show»

Vielleicht wars das Literatur-Happening des Jahres: Ein euphorisierter Rainald Goetz referierte in Berlin über Schriftstellertum in Zeiten von Social Media. Ein Augenzeugenbericht.

Ist er verrückt geworden? Plötzlich stoppt der Schriftsteller ab und hält inne, er scheint den ohnehin dünnen Faden seiner unter aberwitziger Hochspannung gehaltenen Lesung verloren zu haben, blickt mit vogelartigen Kopfdrehungen in die Runde, streicht sich wild durch die Haare. Und das passiert immer wieder, insgesamt drei-, viermal. Einmal greift Rainald Goetz nach dem Mikro, bewegt es auf und ab, stellt fest, sichtlich überrascht: «Das fühlt sich ja ganz leicht an!» Irgendwann sagt er: «Mein Geist ist ein kaputtes Gerät».

Goetz hält keine konventionelle Antrittsvorlesung, als er zum ersten Mal anlässlich seiner halbjährigen Heiner-Müller-Gastprofessur referiert. Er lebt und leidet an und mit seinem Manuskript in diesem mit rund 300 Studenten, Bummlern, Literaten bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal der Freien Universität Berlin. Der Maniker kann nicht anders, und so gerät die Veranstaltung namens «Leben und Schreiben. Der Existenzauftrag der Schrift» unweigerlich zu einer grandiosen Performance und zu einer Feierstunde der Literatur.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.