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«Das Wort ‹Rückzug› ist ausgerottet worden»

Ein deutscher Beamter hat akribisch den Alltag im Dritten Reich protokolliert und die Propaganda als Lüge entlarvt. Sein Tagebuch ist jetzt erschienen.

Am Vorabend des Krieges: NS-Vertreter sammeln auf der Zugspitze für das Winterhilfswerk (1938).
Am Vorabend des Krieges: NS-Vertreter sammeln auf der Zugspitze für das Winterhilfswerk (1938).
«Süddeutsche Zeitung» Photo

«Davon haben wir nichts gewusst.» Mit diesem Satz haben sich Millionen Deutsche nach dem Ende des Nationalsozialismus ein reines Gewissen erschwindelt. Judenmord, Verbrechen der Wehrmacht, mörderische Kriegsführung. «Davon haben wir nichts gewusst.»

Das Tagebuch des hessischen Justizbeamten Friedrich Kellner (1885–1970) bestätigt einmal mehr, dass es sich um eine Schutzbehauptung handelt. Wer wissen wollte, der konnte wissen. Kellner, ein Sozialdemokrat in der inneren Emigration, notierte minutiös, was er über die Terrorherrschaft der Nazis erfuhr, er verfolgte den Kriegsverlauf und beschrieb die Stimmung im kleinen Städtchen Laubach. Als Quellen dienten ihm Nazizeitungen, die er analysierte, aber auch Erzählungen von Fronturlaubern sowie eigene Beobachtungen.

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