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Der Herr des Grauens

Fantômas, der Gangster ohne Gesicht und Gnade, wird 100 Jahre alt: Ein Zürcher Verlag hat seine Abenteuer jetzt neu aufgelegt.

Ganz Paris zitterte vor Fantômas. Der «Herr des Grauens» war vor 100 Jahren eine Sensation: der erste absolut moderne Bösewicht. Herrisch, arrogant und grausam, allgegenwärtig, allwissend und fast unfehlbar, verhöhnte er in wechselnden Masken Könige und Fürsten, seine Verfolger von der Polizei und sogar seine eigenen Gefolgsleute und Geliebten.

Von edelmütigen Vorgängern wie dem Fürsten von Gerolstein (von Eugène Sue), dem Grafen von Monte Christo (von Alexandre Dumas), dem Meisterdieb Arsène Lupin oder Jules Vernes Helden unterschied er sich durch seine grund- und rücksichtslose Brutalität und seine operettenhafte Dekadenz. Fantômas rächte sich nicht für erlittenes Unrecht und war auch kein Helfer der Armen, er raubte und tötete zum Vergnügen. Als Sohn der Belle Epoque machte der Prahlhans in der Halb- und Unterwelt ebenso gute Figur wie in mondänen Salons und luxuriösen Restaurants. Fantômas kannte die neuesten Kriminaltechniken (manchmal verwischte er sogar Fingerabdrücke mit geraubten Hautfetzen) und benutzte die modernsten Verkehrs- und Kommunikationsmittel, Telegramm und Telefon, Automobil und Flugzeug. Seine Rasanz und Skrupellosigkeit machten ihn später zum Liebling der Surrealisten.

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