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Der «Kleine Arschloch»-Autor stürmt mit Roman Bestsellerliste

Bereits in der ersten Woche von Null auf Platz eins der «Spiegel»-Bestsellerliste: Dem «Labyrinth der Träumenden Bücher» von Walter Moers ist dieses Kunststück soeben gelungen.

Erfinder versponnener Intellektuellen-Fantasy: Der Zeichner und Schriftsteller Walter Moers.
Erfinder versponnener Intellektuellen-Fantasy: Der Zeichner und Schriftsteller Walter Moers.

Ein fetter Lindwurm, der in schwärmerischer Fanpost untergeht und auf den leisesten Anflug von Kritik höchst allergisch reagiert, obwohl ihn «das Orm», die dichterische Inspiration, schon lange verlassen hat - so präsentiert sich der Ich-Erzähler zu Beginn des Romans.

Über zweihundert Jahre sind vergangen, seit er in die Geschehnisse verstrickt war, die zu einer vernichtenden Feuersbrunst in Buchhaim führten.

Ein Brief führt ihn wieder zurück auf den rechten Pfad der dichterischen Tugend und nach Buchhaim, das er seither nie mehr betreten hat: Der Schattenkönig, sein Todfeind von einst, soll zurückgekehrt sein. Höchst alarmiert macht sich Hildegunst auf die Reise.

Er trifft eine veränderte, wiederaufgebaute, florierende Metropole, in der die Wunden von damals nur oberflächlich verheilt sind, sowie auf alte Weggefährten.

Der Schwung ist dahin

Der Vorgänger, die vor sieben Jahren erschienene «Stadt der Träumenden Bücher», hielt sich 42 Wochen auf der Bestsellerliste. Schade nur, dass das Sequel nicht ganz erfüllen kann, was sich die grosse Fangemeinde der Zamonien-Literatur des deutschen Autors und Zeichners Walter Moers («Das kleine Arschloch») erhoffte.

Zwar findet sich all das, was Leser liebgewonnen haben, seit sich Moers als Erfinder versponnener Intellektuellen-Fantasy profiliert hat, auch im neuen Roman: skurrile Lebensformen, weitläufige Abschweifungen, kluge Anspielungen und überbordende, feinst ziselierte Illustrationen.

Auch die Wiederbegegnung mit Hildegunst von Mythenmetz, dem Gross- Schriftsteller Zamoniens, und dem sagenhaften Ort Buchhaim stimmt froh. Doch der frische Schwung, die treibende Kraft, der überbordende Einfallsreichtum von einst, ist dahin. Und das liegt nicht nur daran, dass Mythenmetz satt und saturiert geworden ist.

«Alles Bisherige war nur Ouvertüre»

Auch diesmal kann man sich geniesserisch verlieren in der detailreichen Schilderung dieser ganz auf die Beschäftigung mit dem Buch aufgebauten Stadt: mit tausend Spielarten des «Biblionismus» ebenso wie dem «Puppetismus», der die Vorgeschichte des Romans dramatisch erzählt - nicht ohne Seitenhiebe gegen das zeitgenössische Theater.

Doch wenn man auf Seite 400 feststellen muss, dass - jedenfalls im Vergleich zum actionreichen Thrill des ersten Buches - im Grunde noch immer nichts wirklich Aufregendes geschehen ist, beginnt man zu fürchten, einem Schwindel aufgesessen zu sein.

Damit liegt man leider nicht ganz falsch. Wirklich dramatisch wird es nämlich erst auf den letzten zwei Dutzend Seiten. Und dann stösst man, als Hildegunst von Mythenmetz endlich am stockdunklen Eingang des Labyrinths angekommen ist, auf den gefürchteten Satz: «Hier fängt die Geschichte an.»

Er arbeite bereits mit Hochdruck am zweiten Teil des zweiten Buches, versichert Mythenmetz-«Übersetzer» Moers im Nachwort. «Alles Bisherige war nur Ouvertüre». Hoffentlich. Obwohl: Das hätte er eigentlich auch gleich sagen können.

(SDA)

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