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«Die ‹drei Fragezeichen› bleiben gleich – das ist gut»

Christian Rodenwald hat ein ausführliches Buch über «Die drei Fragezeichen» geschrieben. Er sagt, wo es im Kult-Hörspiel Fehler gibt und weshalb die Serie so erfolgreich ist.

Mit Christian Rodenwald sprach Simon Knopf

Herr Rodenwald, Sie haben sich durch die Publikationsgeschichte der «drei Fragezeichen» gewühlt, mit Autoren gesprochen, sich auf die Suche nach dem fiktiven Ort Rocky Beach gemacht – Sie müssen sich selber wie ein Detektiv fühlen.

Das ist in der Tat so. Ich bin Historiker – der dritte Detektiv, Bob Andrews, zuständig für Recherchen und Archiv, ist somit mein Seelenverwandter.

Was hat Sie veranlasst, sich so ausführlich mit dieser Buch- und Hörspielreihe zu beschäftigen?

Ich bin seit Kindertagen Fan der Hörspiele. Ich erinnere mich sogar noch an den Tag, an dem ich meine erste Folge gekauft habe. Nach einer Pause habe ich die Reihe als Erwachsener über die Bücher wieder neu für mich entdeckt. Damals kam eine Special-Box heraus mit unveröffentlichten Fällen aus den 80ern. Mich reizte der Gedanke von Unbekanntem, das in einem Archiv steckt. Da habe ich Blut geleckt.

Inwiefern?

Die «drei Fragezeichen» sind nicht einfach nur Geschichten. Es steckt sehr viel in diesen Figuren. Ich wollte mich tiefer einlesen. Und ich wollte wissen, weshalb jemandem diese oder jene Folge besser gefällt.

Dann ist jetzt wohl der richtige Zeitpunkt für ein Geständnis: Ich mag die Fussball-Folgen der «drei Fragezeichen» nicht.

Es gibt eine Folge, in welcher sogar der erste Detektiv, Justus Jonas, sagt, er möge die Sportfälle nicht. Ich bin auch kein Fan. Was man aber sagen muss: Diese Episoden führen auch neue Fans an die Serie heran, was wiederum keine schlechte Sache ist.

Kann man denn sagen, welche Fälle generell gut ankommen?

Nein, die Geschmäcker sind zu unterschiedlich. Mit einem Freund habe ich mich schon eine ganze Zugfahrt darüber ausgetauscht, welches nun gute und welches schlechte Fälle sind – wir lagen uns immer über Kreuz.

Welches ist Ihr Favorit?

«Der Phantomsee».

Eine alte Episode.

Viele halten die ersten dreissig Fälle für die besten. Dieser Meinung bin ich nicht. Oftmals spielt nämlich einfach der Faktor Nostalgie mit rein. Nehmen wir «Das Gespensterschloss»: Ein Schauspieler gilt als tot, lebt in Wahrheit aber unentdeckt in einem Schloss. Damit dies so bleibt, schreckt er Besucher mit jeder Menge Spuk ab. Damals schon bemängelte ein Lektor in einem Brief an den Autoren die Logik dieser Geschichte.

Im Buch führen Sie weitere Ungereimtheiten auf. Mich haben die vielen Patzer erstaunt.

Mich erstaunte mehr, dass der Erfinder Robert Arthur selber schon den Überblick verlor: bereits nach wenigen Bänden tauchten die ersten Unstimmigkeiten im Beschrieb von Rocky Beach auf. Dass aber über 50 Jahre nicht immer alles stimmig ist, lässt sich nicht ausschliessen – es waren einfach viele Menschen an dieser Reihe beteiligt. Die ersten Nachfolger von Arthur sprachen sich bewusst nicht ab, um eine inhaltliche Beeinflussung zu vermeiden. Heute hingegen gibt es extra Autorentreffen.

Sind auch die Fans kritischer geworden?

Ich denke, der Druck auf die Autoren ist heute grösser. In den Internet-Fanforen werden die Geschichten teilweise regelrecht seziert. Die Autoren achten deshalb wohl stärker darauf, dass die Fälle rund erzählt sind.

Wie nähert man sich der über 50-jährigen Geschichte dieser Reihe?

Um all das Wissen zusammenzutragen, musste ich jedes einzelne Buch nochmals lesen.

Das sind gegen 200 Bücher.

Ich kann mir Schlimmeres vorstellen. Ich durfte ein Jahr lang «drei Fragezeichen» lesen und hören. (lacht) Die Kunst war einfach, dass ich auf die Nebensächlichkeiten achten musste.

Zum Beispiel?

Wie sieht Rocky Beach genau aus? In den Büchern und Hörspielen werden Strassennamen genannt und Zeitangaben zu Fahrrad- und Autofahrten gemacht; das alles überliest oder überhört man normalerweise einfach. Eine weitere Herausforderung war, herauszufinden, wann Tante Mathildas Kirschkuchen oder Peters Dietrich-Set zum ersten Mal erwähnt wurden.

Nämlich?

In «Tatort Zirkus» und «Der verrückte Maler». Kirschkuchen und Dietriche gehören heute zu den Markenzeichen der «drei Fragezeichen». Dabei waren sie erst von den deutschen Autoren eingeführt worden.

Was hat die Recherche mit Ihrer Faszination für die Serie gemacht?

Die «drei Fragezeichen» wurden für mich kein bisschen entzaubert. Ich lese und höre sie jetzt einfach mit einem anderen Bewusstsein.

Sie haben auch mit Autoren der «Three Investigators» gesprochen. Wie stehen die dazu, dass das Original in den USA eingestellt wurde, während «drei Fragezeichen» im deutschsprachigen Raum weiterlebten?

Auch die sind stolz auf den Erfolg. Denn auch sie sind heute Teil des Kults. Peter Lerangis erzählte mir, wie er in den Ferien von einem deutschen Hotelier auf seine «Die drei Fragezeichen»-Bücher angesprochen wurde – die er wohlverstanden vor fünfundzwanzig oder dreissig Jahren in den USA geschrieben hatte.

Weshalb wurde die Reihe so erfolgreich?

Vor allem die Hörspiele haben der Serie eine starke Kontinuität verliehen. Justus, Peter und Bob werden seit fast vierzig Jahren von denselben Sprechern verkörpert. Zudem geht der Verlag behutsam mit den «drei Fragezeichen» um. Beim «Tatort» versucht man ja, Grenzen auszuloten. Am Montag streiten sich dann die Zuschauer und die Feuilletons, ob das überhaupt noch ein «Tatort» war. Bei den «drei Fragezeichen» werden verrückte Ideen in Kurzgeschichten verpackt, die Serie bleibt aber weitgehend unverändert. Das finde ich gut.

Auf welchen Plot warten Sie noch?

Ich bin etwas konservativ: ich mag ein paar Geistererscheinungen, die sich dann als fauler Zauber herausstellen. Natürlich würde es mich freuen, wenn man noch Skizzen aus dem Archiv der «Three Investigators» ausarbeiten würde. Es gibt ja den Mythos, irgendwo stecke noch der unveröffentlichte Fall «Ghost Train» der Autorin M. V. Carey. Bisher hat aber niemand dieses Manuskript entdeckt.

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