Die Nominierten für den 10. Schweizer Buchpreis stehen fest

Die Jury hat die fünf Finalisten bekannt gegeben. Neben dem Favoriten Jonas Lüscher sind auch Debüts dabei.

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Mit einer gewissen Unruhe hat man die Nominationsliste für den Schweizer Buchpreis erwartet, nachdem die Jury es im Vorjahr geschafft hatte, den besten Roman, Peter Stamms «Weit über das Land», zu ignorieren. Diesmal war die Sorge unbegründet: Jonas Lüschers «Kraft», allseits und sehr zu Recht bejubelt, steht auf der Shortlist. Die Geschichte um einen deutschen Rhetorik-Professor, der im Silicon Valley unter die Räder seiner eigenen Biografie kommt, kann ohne grosse Prophetengabe als Favorit für den 10. Schweizer Buchpreis gelten, der am 12. November in Basel verliehen wird.

Jurys sind autonom, gegen ihre Entscheidung gibt es keinen Rekurs. Dies nutzen sie gern dazu, Erwartungen zu unterlaufen und mit Überraschungen aufzuwarten. So auch dieses Jahr. Zur Jury gehören Philipp Theisohn (Uni Zürich), Esther Schneider (Literaturchefin SRF), Sabine Graf (Literaturhaus Zentralschweiz), die Buchhändlerin Ursula Stamm und Manfred Papst («NZZ am Sonntag»). So werden manche «Hagard» vermissen, Lukas Bärfuss’ eigenwilligen Aussteigerroman. Bärfuss hat allerdings den Preis schon einmal gewonnen, ebenso Melinda Nadj Abonji, deren neuer Roman «Schildkrötensoldat» erst im Oktober erscheint.

Zwei Theaterautoren sind dabei

Mit dem 70-jährigen Urs Faes ist ein in der Schweizer Literaturwelt gut Etablierter nominiert. «Halt auf Verlangen» verarbeitet die Krebstherapie des Autors und blickt angesichts des drohenden Todes auf ein Leben zurück, dem das Schreiben von Kindesbeinen an Halt gegeben hat. Den drei übrigen Nominierten wird die Shortlist zu jener Bekanntheit verhelfen, für die der Schweizer Buchpreis seit seiner Gründung gut ist: Sie werden im gesamten deutschsprachigen Raum auftreten, von Salzburg über die Frankfurter Buchmesse bis nach Berlin und Hamburg.

Zwei der Nominierten sind (bisher) vor allem Theaterautoren. Lukas Holliger war 2003 «Nachwuchsautor des Jahres» der Fachzeitschrift «Theater heute». «Das kürzere Leben des Klaus Halm» ist, so die Jury, «ein grosser Basel-Roman», worin sich der Erzähler an einen Zufallsbekannten klammert und ihn «um Frau, Karriere und Lebensglück» bringt. Martina Clavadetscher, deren Stück «Der letzte Europäer» kürzlich im Theater Neumarkt uraufgeführt wurde, siedelt ihr Romandebüt «Knochenlieder» in der düsteren Zukunft eines Überwachungsstaates an. Julia Weber, mit Jahrgang 1983 die jüngste der fünf, erzählt in «Immer ist alles schön» von einer Mutter, die ihr Leben und ihre Verantwortung nicht in den Griff bekommt.

Der Schweizer Buchpreis ist mit 40’000 Franken dotiert, von denen der Preisträger 30’000 erhält. Das Preisjubiläum wird am 11. November mit einem Fest und den Protagonisten der vergangenen Jahre gefeiert.

Erstellt: 19.09.2017, 15:08 Uhr

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