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Die Tigermama über gute und schlechte Volksgruppen

Amy Chua schrieb mit ihrem Ratgeber über chinesischen Drill einen Bestseller. Nun meldet sie sich mit einem neuen Buch zurück. Diesmal wagt sie sich auf ein noch heikleres Terrain.

Professorin Amy Chua hatte mit ihrem Buch...
Professorin Amy Chua hatte mit ihrem Buch...
Keystone
...«Battle Hymn of the Tiger Mother» einen Nerv getroffen.
...«Battle Hymn of the Tiger Mother» einen Nerv getroffen.
Keystone
In «The Triple Package» will sie nun dem Leser erklären, weshalb es gewisse Bevölkerungsgruppen in den USA zu etwas bringen.
In «The Triple Package» will sie nun dem Leser erklären, weshalb es gewisse Bevölkerungsgruppen in den USA zu etwas bringen.
Keystone
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Es ist noch nicht lange her, dass die Amerikanerin Amy Chua mit einem Ratgeber über rigorose chinesische Erziehungsmethoden bei Müttern der westlichen Welt zu gleichen Teilen Versagensängste und Entsetzen hervorrief. Mit ihrem neusten Buch tappt die selbsternannte «Tigermom» nun erneut in ein Wespennest. Das Buch ist noch nicht im Handel, doch in den sozialen Medien wird es bereits in der Luft zerrissen.

Gemeinsam mit ihrem Mann Jed Rubenfeld, der wie sie Juraprofessor an der Yale University ist, will sie in «The Triple Package: Why Groups Rise and Fall in America» dem Leser erklären, weshalb gewisse Bevölkerungsgruppen es in den USA zu etwas bringen und die anderen hingegen so kläglich scheitern.

Damit betritt das Paar ein Themenfeld, das zwar viele Leser interessieren dürfte, das aber noch heikler und noch stärker emotional aufgeladen ist als das der Kindererziehung. Ihre eigene Bevölkerungsgruppe zählen die Autoren natürlich zu den Gewinnern: Als in den USA besonders erfolgreich haben sie die Chinesen (Chua), Juden (Rubenfeld), Inder, Iraner, Libanesen, Nigerianer, Kubaner und Mormonen ausgemacht.

Mormonen erreichten grosse geschäftliche Erfolge, schreiben die Autoren als Begründung. Kubaner könnten ihre Armut in den USA in nur einer Generation abschütteln, Nigerianer würden eine besonders hohe Rate an Doktortiteln erzielen, Inder, Chinesen und Juden hätten die höchsten Einkommen.

Überlegenheitsgefühl und Unsicherheit

Es sei schwierig, darüber zu sprechen, dass es gewissen Gruppen besser gehe als anderen, geben die Autoren selbst zu. «Zu einem grossen Teil liegt das daran, dass dieses Thema sich rassisch so aufgeladen anfühlt.» Dass sie selbst aufgrund der Kultur einer Gruppe unterscheiden und nicht der Religion, Ethnie oder Rasse, glauben sie Beweis genug, nicht als Rassisten durchzugehen.

Das Rezept der Erfolgreichen, das die Autoren entschlüsselt haben wollen, sei sich als Volksgruppe anderen überlegen zu fühlen und gleichzeitig so unsicher zu sein, dass man ständig den Drang empfinde sich beweisen zu müssen. Der dritte Faktor sei Impulskontrolle: Die Fähigkeit seinen umittelbaren Bedürfnisse nicht sofort nachzugehen, um ein höher gestecktes Ziel zu erreichen.

Der Liberalismus ist schuld

Die Ursache dafür, dass sich der gemeine Amerikaner hingegen auf dem absteigenden Ast befinde, liege im Linksliberalismus: «Paradoxerweise hat im modernen Amerika eine Gruppe einen Vorteil, wenn sie sich nicht – oder noch nicht – den liberalen Prinzipien des Mainstreams nach den 1960er-Jahren verschrieben hat», schreiben Chua und Rubenfeld. Dass die Afroamerikaner es nicht auf die Liste geschafft haben, daran sei die Bürgerrechtsbewegung schuld, genauer deren Streben nach Gleichheit, so könne bei den Schwarzen einfach kein Überlegenheitsgefühl aufkommen. Dass Afro-Amerikaner einst mit völlig anderen Voraussetzungen in die USA kamen, als die nun so gepriesenen Erfolgs-Einwanderer, scheinen die Autoren auszublenden.

Die Boulevardzeitung «New York Post», selbst eigentlich eher ein Gegner des Linksliberalismus, kommentierte das neue Buch, das am 4. Februar auf Englisch erscheint, als erste Zeitung. Sie kritisiert das Werk als Serie von angsteinflössenden Schockargumenten, eingewickelt in Selbsthilfeklischees.

Als Grund für den Erfolg von Einwanderern sieht die «New York Post» viel eher das vielzitierte Schema der drei Generationen: Die erste, die mutig zu neuen Ufern aufbricht, dort hart arbeitet und so der zweiten den Weg für eine Karriere ebnet, während die dritte dann an Härte verliert und so die Erfolgskurve wieder absinken lässt.

Auch in den sozialen Medien wird das neue Werk kommentiert, die meisten nennen es schlichtweg rassistisch. «Liebe Amy Chua und Jed Rubenfeld, die 1920s haben angerufen and wollen ihre Theorien zurück», schreibt ein Twitter-User.

Dass nun schon einen Monat vor dem Erscheinungstermin die Kontroverse in den USA auf Hochtouren läuft, ist allerdings beste PR, die gute Verkaufszahlen praktisch garantiert. Die Autorin Ayelet Waldman schrieb dazu auf Twitter: «Amy Chua ist draussen mit Teil 2 von ‹Ich schreibe etwas ganz Verrücktes, damit Ihr mein Buch kaufen könnt und mich reich macht›.»

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