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«Ein eklatantes Missverständnis»

Prügeleien, Beschimpfungen und Krawalle: Vladimir Nabokovs «Lolita» sorgt derzeit in Russland für heftigen Aufruhr. Uni-Dozentin Barbara Straumann erklärt die Brisanz des Buches.

Film-Adaption: Ein Ausschnitt aus Kubricks «Lolita» (1962).
Film-Adaption: Ein Ausschnitt aus Kubricks «Lolita» (1962).
Keystone
Dauergast im Palace-Hotel in Montreux: Nabokov lebte von 1961 bis 1977 in der Schweiz.
Dauergast im Palace-Hotel in Montreux: Nabokov lebte von 1961 bis 1977 in der Schweiz.
Keystone
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Frau Straumann, in Russland gibt Nabokovs «Lolita» Anlass zu brutalen Aktionen. Wie kommt es, dass dieses Buch aus den 1950er-Jahren die Gemüter derart erhitzt? «Lolita» gab seit der ersten Publikation Anlass zu Kontroversen. Nabokov fand ja lange keinen Herausgeber für sein Werk – bis sich der Pariser Verlag Olympia Press meldete. Nabokov war sich nicht bewusst, dass dieser Verlag vor allem erotische Bücher herausgab. Nachdem der Schriftsteller Graham Greene «Lolita» als eines der drei besten Bücher des Jahres bezeichnet hatte, erhoben reisserische Medien Pornographie-Vorwürfe. In Frankreich wurde der Roman auf Bitte des British Home Office vorübergehend sogar verboten. Die gesellschaftlich breite Diskussion über Pädophilie setzte allgemein erst später ein. Die gegenwärtigen Angriffe scheinen Nabokov stellvertretend für etwas anderes anzugreifen.

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