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«Enttäuschend, mutlos»

Er ist der grosse Abwesende: Christian Kracht wurde nicht für den Schweizer Buchpreis nominiert.

Christian Kracht: Ein umstrittener, aber erfolgreicher Autor.
Christian Kracht: Ein umstrittener, aber erfolgreicher Autor.
zvg
Berühmt wurde Kracht mit seinem Erstlingswerk «Faserland» (1996).
Berühmt wurde Kracht mit seinem Erstlingswerk «Faserland» (1996).
Myspace.com/christiankracht
paraguay_ch_062.jpgDavid Woodard, a SF composer and maker of dream machines, who wants to save a small Paraguayan town.in San Francisco3/1/05 Chris Hardy / San Francisco Chronicle
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Mit «Imperium» avancierte der gebürtige Berner Christian Kracht zum Bestseller-Autor, das Feuilleton lobte den Roman in hohen Tönen. Für «ganz und gar meisterhaft» befand ihn die «Zeit», als «furiose Satire» bezeichnete ihn die «Süddeutsche», «toll» nannte ihn die «SonntagsZeitung».

Unter den Kandidaten für den Schweizer Buchpreis findet sich Kracht dennoch nicht. Für Michael Wiederstein, Literaturredaktor der Zeitschrift «Schweizer Monat» und Kracht-Kenner, ein völlig unverständlicher Jury-Entscheid. «Auf meinem Schreibtisch ist dieses Jahr weder ein originelleres noch ein besser geschriebenes und komponiertes Buch aus der Schweiz gelandet», sagt Wiederstein gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Der Literaturwissenschaftler weiter: «Der Schweizer Buchpreis ist letztlich ein Marketingpreis, und das darf er auch sein. Man kann hier argumentieren, dass Christian Kracht dieses Marketing auflagentechnisch gar nicht mehr nötig hat – ‹Imperium› ist ja nicht nur ein inhaltlich wie stilistisch hervorragendes, sondern auch ein erfolgreiches Buch und wird gerade in alle Welt übersetzt. Was aber bei dieser Argumentation dann einige andere Publikationen auf der Nominierungsliste zu suchen haben, ist mir völlig schleierhaft. Der Entscheid ist enttäuschend, ja mutlos.» Eine bessere Gelegenheit, «diesem einzigartigen Schriftsteller daheim den Rücken zu stärken», habe es bisher nicht gegeben, so Wiederstein.

Auch er sei erstaunt gewesen, als er von der Nichtberücksichtigung gehört habe, sagt Autor und Kulturveranstalter Raphael Urweider, der derzeit dem Schriftsteller-Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) als Präsident vorsteht. Als ehemaliges Mitglied der Programmkommission der Solothurner Literaturtage habe er allerdings Verständnis für die Jury; ein solches Auswahlverfahren sei eine sehr diffizile Angelegenheit und die Anzahl der Neuerscheinungen oft überwältigend.

Jurypräsident Hans Ulrich Probst wollte die Nichtnominierung Krachts gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet nicht kommentieren. Die Jury sei sich aber einig gewesen bei der Auswahl der fünf Schriftsteller – «es hat ein grosser Konsens geherrscht».

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