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Es ist die Abweichung, die entzückt

Zum 35. Mal startete gestern in Klagenfurt das traditionelle Wettlesen um den Bachmann-Preis. Die Eröffnungsrede vom Schweizer Schriftsteller Urs Widmer.

«Der Mainstream ist nichts Verwerfliches»: Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer.
«Der Mainstream ist nichts Verwerfliches»: Der Schweizer Schriftsteller Urs Widmer.
Keystone

«Früher einmal, als ich selber in den Rivalitätskampf der Literatur eingriff und mir auch ein Plätzchen in der grossen Welt der Literatur erobern wollte, begegnete ich Wettbewerben, wie sie die Tage der deutschsprachigen Literatur sind, mit einiger Skepsis. Ich fürchtete natürlich die Kränkungen, die so ein Wettkampf unvermeidlich mit sich bringt, und ich dachte, dass sich in der Literatur kein Ranking erstellen lässt. So etwas denke ich heute noch. Wettbewerbe, bei denen es am Ende trotzdem eine Beste oder einen Besten gibt, sehe ich allerdings inzwischen mit heiterer Milde. Dennoch. Literatur funktioniert nicht nach dem K.-o.-System, in dem am Schluss einer der Sieger ist. Die Frage ist nicht, ob Goethe oder Kleist oder Büchner, das heisst, die Antwort auf die Frage ist: Goethe und Kleist und Büchner.

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