«Das Buch wird ein Killer»

US-Reporterlegende Bob Woodward brachte US-Präsident Richard Nixon zu Fall, jetzt legt er ein Buch über die Trump-Regierung vor.

Bob Woodward will das «erschütternde Innenleben» der Trump-Regierung zeigen. Foto: AP

Bob Woodward will das «erschütternde Innenleben» der Trump-Regierung zeigen. Foto: AP

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Man hat sie noch vor sich, die Bilder aus dem Film, der eine Generation junger Menschen dazu brachte, in den Journalismus einzusteigen. Sie zeigen die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein, gespielt von Robert Redford und Dustin Hoffman, wie sie spätabends an Haustüren in Washington klopfen. Sie zeigen sie im verrauchten Büro, das Telefon am Ohr, den Notizblock vor sich, und in der Tiefgarage, wo sie ihren Informanten treffen.

«All the President’s Men» heisst der Film. Er zeichnet nach, wie Woodward und Bernstein mit ihren Recherchen über den Watergate-Skandal Präsident Richard Nixon zu Fall brachten. Die Vorlage zum Film hatten die beiden Journalisten selbst geliefert. Ihr gleichnamiges Buch erschien 1974, nur Monate nachdem Nixon seinen Rücktritt erklärt hatte. Ihre Artikel in der «Washington Post» brachten den Autoren einen Pulitzerpreis ein.

Woodward schrieb in den folgenden 44 Jahren weitere Bücher, die sich sehr gut verkauften, aber ein Scoop wie Watergate gelang ihm nicht mehr. Nun erscheint ein neues Buch von ihm. Es trägt den Titel «Fear: Trump in the White House», und es handelt von der Präsidentschaft Donald Trumps. Die «Angst» im Titel bezieht sich auf eine Aussage, die Trump als Präsidentschaftskandidat gemacht hat. Ein Journalist fragte ihn, was für ihn Macht bedeute. Trumps Antwort: «Echte Macht ist, und ich will das Wort fast nicht gebrauchen: Angst.»

Woodward machte der Satz Eindruck. Er erinnere ihn an einen Spruch, wie ihn eine Shakespeare-Figur hätte machen können, sagte er laut der «Washington Post». Bei der Zeitung arbeitet er noch immer, als leitender Redaktor, über den Kollegen mit Ehrfurcht sprechen. Die Nachricht von Woodwards neuem Buch wirkte in Washington wie eine Bombe. Obwohl es erst im September erscheint, steht es in den Verkaufscharts von Amazon bereits auf dem Spitzenplatz.

Woodward hat für sein Projekt nie eine Genehmigung des Weissen Hauses erhalten. Dennoch verschaffte er sich Zugang zu vertraulichen Dokumenten und führte Hunderte Interviews. «Das Buch wird ein Killer», sagt ein früherer Regierungsmitarbeiter der Zeitung «Politico»: «Jeder hat mit Woodward gesprochen.» Die Interviews soll er öfter bei sich zu Hause geführt haben, wo er seine Gesprächspartner dazu drängte, ihm Unterlagen auszuhändigen. Und: Er ging wieder selber auf die Strasse, spätabends und unangekündigt, zu den Häusern von Leuten, mit denen er reden wollte.

Entstanden sind 448 Seiten, die das «erschütternde Innenleben» der Trump-Regierung zeigten, schreibt der Verlag. So klingen Verlage öfter, wenn sie ihre Bücher bewerben, und so klang auch der Verlag, der Anfang Jahr das Enthüllungsbuch «Fire and Fury» von Michael Wolff herausbrachte. Im Gegensatz dazu aber dürfte es bei Woodward keine Zweifel geben, welche Zitate und Begebenheiten im Buch der Realität entspringen – und welche der Fantasie des Autors. Woodward gilt als sorgfältiger Chronist.

Einer, der sich auf das Buch freut, ist Woodwards Weggefährte Bernstein. Auch er arbeitet noch als Journalist, zuletzt bei CNN. «Stellen Sie sich vor», sagte er neulich, «hier sind wir nun, 74 und 75 Jahre alt, und wir ziehen das immer noch durch.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.08.2018, 23:11 Uhr

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