Geld verdienen mit Michelle und Barack

Markus Dohle, der Verlagsleiter von Random House, hat eine erstaunliche Karriere als Verleger der Obamas hingelegt.

Verlegt Michelle Obamas Autobiographie: Markus Dohle, der CEO der Verlagsgruppe Penguin Random House. Foto: Reuters

Verlegt Michelle Obamas Autobiographie: Markus Dohle, der CEO der Verlagsgruppe Penguin Random House. Foto: Reuters

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Es war sein erster Arbeitstag in New York, und er hatte gleich einen wichtigen Termin: Bestsellerautor Dan Brown schaute beim Neuen vorbei. Es war Juni 2008, Markus Dohle, damals 39 Jahre alt, war gerade zum neuen Chef von Random House geworden, dem mit Abstand grössten Buchverlag der Welt. Seitdem trifft er sich immer wieder mit Autoren, auch wenn die natürlich von den Verlegern und Lektoren betreut werden. «Das zählt zu den schönsten Seiten meiner Arbeit», sagt er.

Manche Autoren sind prominent wie John Grisham oder Jamie Oliver, manche sind sehr prominent wie Michelle Obama. Sie veröffentlichte im vergangenen Jahr ihre Autobiografie «Becoming», von der inzwischen rund zehn Millionen Stück verkauft wurden. «Das übertraf unsere kühnsten Erwartungen», sagt Dohle.

Oder Barack Obama; der ehemalige Präsident, arbeitet gerade an seinen Memoiren. Dohle will, dass sie noch in diesem Jahr erscheinen, Druck kann er dem berühmten Autor aber nicht machen, das wäre kontraproduktiv. Aber er hofft, dass Barack Obama wie seine Frau einen Bestseller landet. «Das würde sicher auch die beiden freuen», sagt er und grinst. 65 Millionen Dollar hatte er den Obamas für die Weltrechte an beiden Büchern gezahlt und dafür viel Kritik bekommen. Aber die Investition lohnt sich.

Weltweit wichtigster Verleger

Als Dohle 2008 sein Büro am Broadway bezog, war der Verlag in einer Krise. Seine Berufung durch Bertelsmann, den Mehrheitseigentümer aus Deutschland, war ein Schock für die konservative amerikanische Verlagsbranche: Ein unbekannter und auch noch hemdsärmelig auftretender Deutscher sollte das renommierte Unternehmen führen? Doch Dohle schaffte es: Er sorgte für eine Art Renaissance des Buchgeschäfts, wenn auch darunter Erfolge wie die Erotikromane «50 Shades of Grey» waren. Er setzte auf E-Books und baute die weltweit führende Position noch aus.

Lukrative Autoren: Barack und Michelle Obama in der Smithsonian's National Portrait Gallery in Washington. (12. Februar 2018) (Bild: Jim Bourg, Reuters)

Es ist eine erstaunliche Karriere: Dohle kam 1968 in Westfalen zur Welt, studierte Wirtschaftsingenieurwesen und stieg 1994 bei Bertelsmann ein. Er durchlief die Wertschöpfungskette des Buchs quasi rückwärts: Erst betreute er die Auslieferung und den Handel, dann war er für das Drucken von Büchern zuständig. Jetzt ist er der wichtigste Verleger der Welt. Im vergangenen Jahr nahm Dohle die amerikanische Staatsbürgerschaft an, gerade noch rechtzeitig, damit seine Tochter Julia zur WM im Frauenfussball fahren konnte. Sie ist Torhüterin der amerikanischen U-20-Nationalmannschaft.

Begeistert von Michelle Obama

Wenn Dohle erzählt, ist ihm seine Begeisterung schnell anzumerken, er rudert dann aufgeregt mit den Armen, seine Stimme überschlägt sich fast. Er ist ein guter Verkäufer, schnell hat er Superlative zur Hand, das Buch von Michelle Obama etwa habe «das Potenzial, die grössten Memoiren aller Zeiten zu werden», sagt er. Er habe erst das Buch gelesen und sich dann auch noch die Audiofassung, die von Michelle Obama selbst gelesen wird, angehört, meistens im Auto. Er habe siebenmal Tränen in den Augen gehabt, sagt Dohle. Hörbücher könnten generell nach und nach E-Books einholen. Und überhaupt gibt sich Dohle optimistisch: «Der Hunger auf grossartige Geschichten ist grösser denn je.»

Erstellt: 31.03.2019, 20:14 Uhr

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