Geldsegen für den chinesischen Buchhandel

China will traditionelle Buchläden vor der Digitalisierung retten – mit einer Millioneninvestitionen. Bereits jetzt sind sie kulturelle Hotspots.

Der Buchhandel soll in Peking ausgebaut werden. Die Regierung regt Buchhandlungen mit 24-Stunden-Öffnungszeiten, Vorträge und Kooperationen mit Bibliotheken an. Bild: Keystone

Der Buchhandel soll in Peking ausgebaut werden. Die Regierung regt Buchhandlungen mit 24-Stunden-Öffnungszeiten, Vorträge und Kooperationen mit Bibliotheken an. Bild: Keystone

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Die Stadtregierung von Peking will neu jährlich 50 Millionen Yuan in den Buchhandel investieren, umgerechnet rund 7,5 Millionen Franken. Damit erhöht sie ihre Unterstützung nochmals um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Das meldete die chinesische Zeitung «China Daily» unter Berufung auf die Medienstelle der städtischen Regierung.

Denn: Die wachsende Popularität von E-Books setzt traditionellen Buchläden zu. «Wir können uns nicht auf den Markt verlassen, wenn es darum geht, die existenziellen Schwierigkeiten von Buchhandlungen zu lindern», wird Zhang Su, stellvertretender Direktor des Pekinger Büros für Presse, Publikation, Radio, Film und Fernsehen, in der «Times» zitiert.

Das Ziel der Regierung: Bis 2020 soll jedes Stadtviertel von Peking eine grosse Buchhandlung haben. Insgesamt sollen 700 neue Buchhandlungen eröffnet werden, 200 davon in dicht besiedelten Gebieten, in der Nähe wichtiger Bildungseinrichtungen und in Einkaufsstrassen.

Bestehenden Buchläden soll unter anderem bei den Mieten und Umbauarbeiten unter die Arme gegriffen werden. Zudem sollen zukünftig alle Buchhandlungen von der Umsatzsteuer befreit werden – früher waren es nur jene, die bereits drei Jahre lang auf dem Markt waren.

«Buchhandlungen sind ein wichtiger Teil der kulturellen Infrastruktur einer Stadt. Sie bewahren die Erinnerungen einer Stadt, verkörpern ihr kulturelles Erbe und beeinflussen das kulturelle Ambiente», zitiert die «Times» Zhang Su weiter.

Zwischen kulturellem Erbe und urbanem Mainstream

Um den Verlust des kulturellen Erbes zu verhindern und die Stadtkultur attraktiver zu gestalten, sollen dem Ausbau des bisherigen Angebots denn auch keine Grenzen gesetzt werden. Die Regierung ermutigt Buchläden, rund um die Uhr geöffnet zu sein. Bibliotheken können sich in Buchhandlungen einrichten und umgekehrt. In Zusammenarbeit mit öffentlichen Bibliotheken sollen kulturelle Aktivitäten, Lesezirkel und Vorträge organisiert werden.

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Buchläden in Peking setzen auf durchdachtes Innendesign und eine erweiterte Produktpalette – sogar Taschen des Schweizer Labels «Freitag» kann man kaufen. Quelle: Instagram

Doch bereits ohne die jüngste Investitionsankündigung und staatliche Ermutigung haben Chinas Buchläden über die letzten Jahre viel daran gesetzt, sich ein Stück weit gegen den E-Book-Handel zu behaupten. «Toll designte private Buchläden boomen», sagt China-Korrespondent Kai Strittmatter. Die Grenzen zwischen Buchhandlung, Bibliothek, Concept Store, Bar, Café und Partylocation verschwimmen.

Auf den sozialen Medien sieht man junge, hippe Leute zwischen Regalen stöbern, Latte Macchiatos trinken und an langen Tischen hinter Macbooks sitzen. Am Abend stossen lokale Städter mit Expats an, zwischen Design und Architektur in Buch- oder Magazinform. Buchläden als Ort, an dem urbaner Mainstream kultiviert wird, an dem Peking auch Paris oder Zürich sein könnte. Freitag-Taschen finden sich jedenfalls schon im «Book Design Shop», einer der einschlägigen Adressen für junges Kultur- und Literaturpublikum.

Das Grundproblem bleibt: die Zensur

Auf welche Art von Buchhandlungen sich die staatlichen Subventionen verteilen werden, ging aus den bisherigen Berichten nicht hervor. «Wer am Ende wirklich davon profitiert, kann im Moment keiner sagen, dazu ist die Politik der chinesischen Behörden zu undurchsichtig», so Strittmatter.

Letztlich bleibe trotz Subventionen eines der Grundprobleme des Verlagswesens und Buchhandels in China bestehen: die politische Zensur. Und laut Strittmatter werde diese immer schärfer. Bereits mussten deswegen in verschiedenen Städten Buchläden schliessen, auch in Peking.

Andere Lokalitäten werden wohl mehr «Glück» haben. Laut «China Daily» meldet die Stadtregierung, dass sie Buchhandlungen nicht nur subventionieren, sondern auch als Veranstaltungsorte bevorzugen werde – für Veranstaltungen, welche von der Regierung gesponsert sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.07.2018, 15:49 Uhr

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