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Geschichten von Kains Kindern

Katja Petrowskaja gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis 2013 mit einem Auszug aus «Vielleicht Esther». Das fertige Buch ein Debüt zu nennen, widerspricht seiner Reife.

Wo fängt die eigene Familiengeschichte an, wo hört sie auf? Welche Verantwortung hat man dafür, welche Rechte daran? Katja Petrowskajas dokuliterarische Herkunftsforschung «Vielleicht Esther» ist ein Buch über die Wege des Überlebens und Sterbens einer jüdischen Familie im 20. Jahrhundert. Je länger es nachklingt, desto mehr wird es auch ein Buch des leisen Zweifels an sich selbst. Es stellt sich nicht infrage, aber es gibt den Unsicherheiten Raum.

«Man braucht keine Verwandten, um einen Bezug zur Geschichte zu haben», zitiert die Icherzählerin ihren Vater. Und hält dagegen: Doch, sie brauche das. In dieser Haltung kritischer und entschiedener Selbstvergewisserung bahnt sie sich den Weg in die Vergangenheit. Und auch durch die Internetrecherche. Das Buch ist mit «Geschichten» untertitelt – ein variables, durchlässiges, zeitgenössisches Format, das Platz lässt zwischen den Fakten und deren Aneignung durch ein erzählendes Ich. Eines Ich, das jüdische Vorfahren hat, ein «sowjetisches Kind» war und nun eine Deutsch schreibende Autorin ist. Katja Petrowskaja wurde 1970 in Kiew geboren und lebt in Berlin. Mit einem Auszug aus «Vielleicht Esther» gewann sie letztes Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis.

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