Zum Hauptinhalt springen

Gipfeltreffen am Mount Frisch

Gestern diskutierten Julian Schütt, Peter von Matt und Andreas Isenschmid über den Jubilar des Jahres. Hochkarätige, spannende zwei Stunden.

Über die Qualität der neuen Frisch-Biografie von Julian Schütt (TA vom 12. 3.) brauche man nicht zu diskutieren, legte Andreas Isenschmid gleich den Kurs fest: Es handle sich um einen «Meilenstein», noch nie sei das Leben des Autors so detailliert beschrieben worden. Ein «wohltuend unhysterisches Buch», fand auch Peter von Matt, einst Doktorvater von Schütt. Und liess sogleich eine Attacke auf die Germanistik los, die gern «Gericht halte» über die Vergangenheit, auch über Frisch, obwohl sie selbst «jedem Führer nachgelaufen» sei.

Texte und Handlungen sind nur zu verstehen, wenn man sie in den historischen Zusammenhang stellt: Das war für von Matt ein zentrales Anliegen und wurde zum roten Faden der Diskussion. Die unpolitische Haltung in den 30erJahren; die bösen Worte über die Emigranten; ein paar antisemitische Töne: Das alles müsse man nicht von heute aus, gar noch von einem moralischen Turm aus, bewerten. «Frisch stand knöcheltief im Geist seiner Zeit» (Isenschmid); und der war ein kollektivistischer. Umso höher sei sein Individualismus, oder auch nur das verzweifelte Verlangen danach, zu bewerten.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.