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Götter und Menschen flirten auf der Grünen Insel

John Banville so witzig wie noch nie: Der irische Erzähler hat mit «Unendlichkeiten» einen ebenso virtuosen wie inspirierten Roman geschrieben.

Der mit dem Gott tanzt: In Irland heisst er zweifelsfrei John Banville. Nicht nur, weil er schlicht der Beste ist – wie er uns schon vor Jahren im Gespräch versichert hat und nicht müde wird zu wiederholen. Nicht nur, weil sein Vokabular auch diesmal ganze Universen umspannt und von Latinismen über Naturpoesie bis zur saloppen Alltagssprache reicht: von «Crux» und «Ad-hoc-Wort» über «Wolkenwälle» und «rohrkolbenbrauner Flor» bis «baff» und «bla bla bla». Nein, mit seinem neuen Buch ist Banville buchstäblich im Olymp der Antike angekommen: Hermes ist das Herz des Romans mit dem sprechenden Titel «The Infinities» (2009), zu Deutsch nun als «Unendlichkeiten» erschienen.

Der geflügelte Götterbote ist da ein agiler Affären-Arrangeur und geschliffener Geschichtenerzähler – einer, der zwar viel weiss, aber durchaus nicht alles –, der von einer dysfunktionalen Familie auf einem irischen Landgut berichtet. Hermes steckt mittendrin und ist doch aussen vor, als die Godleys ( ja, Godley ist der Familienname!) sich im sogenannten Himmelsraum am Sterbebett des Paterfamilias namens Adam ( ja, Adam!) versammeln: Da sind die schöne Helen (!), eine Schauspielerin, die gerade Kleists «Amphitryon» probt, ihr Mann Adam junior, seine bärentapsigbetrunkene Mutter Ursula und seine Schwester, die autistisch ist wie ein Stein und entsprechend Petra heisst. Dazu kommen noch ein paar Siechen-Besucher wie der klumpfüssige Benny Grace (!). Es wimmelt nur so von biblischen, mythologischen und literarischen Anspielungen: Banville begleitet die Krisen und Konflikte seiner Helden mit lautem Bühnenflüstern und Augenzwinkern – Faust und Mephisto, Hermes und Zeus, Amphitryon und Alkmene geben sich ein munteres, heutiges irisches Stelldichein.

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