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«Sogar der Weihnachtsmann ist politisch aufgeladen»

«Mit Hausfassaden kann man schlecht ein Bier trinken gehen»: Saša Stanišic in Zürich. Foto: Doris Fanconi

Bei ihrer ersten Zürcher ­Poetik-Vorlesung ging es um Heimat. Das ist ja ein poetischer Begriff. Was bedeutet Heimat real für Sie?

Der Begriff Heimat ist politisch aufgeladen. Er kann etwas Reaktionäres sein, es gibt aber auch eine «progressive» Rehabilitation.

Ist Heimat notwendig etwas geografisch Konkretes? Der Ort, an dem man aufgewachsen ist?

Die Hinwendung zum Regionalen könnte eine Gegenbewegung zur Globalisierung sein. Darin liegt auch eine Gefahr: regionaler Egoismus, wie man gerade in Katalonien beobachten kann.

Ihre Kindheit in Višegrad, einer Kleinstadt in Bosnien-Herzegowina, wurde durch den Krieg abrupt beendet. Jetzt ist Ihr Wohnort Hamburg. Fühlen Sie sich dort zu Hause? Entwickeln Sie so etwas wie «Lokalpatriotismus»?

Welche Gefühle verbinden Sie noch mit Višegrad – der Ort hat sich ja radikal verändert, durch Krieg und Massaker wurde die bosnische Bevölkerungsmehrheit zur Minderheit. Ist das sozusagen verbrannte Erde?

Sie haben eine bosniakische Mutter und einen serbischen Vater. Wird man in einer Welt, die plötzlich ethnische Kriterien in den Vordergrund schiebt, auf eine gewisse Weise heimatlos?

«Jugoslawien hatte lange versucht, den Bewohnern die Unwichtigkeit der Herkunft einzubläuen.»

Als ehemaliger Flüchtling haben Sie das deutsche «Flüchtlingsjahr» 2015 sicherlich mit besonderer innerer Beteiligung verfolgt. Wie sehen Sie es im Rückblick?

Für Schweizer ist Schriftdeutsch eine erlernte Zweitsprache. Manche sagen, das führe bei Schriftstellern zu einem bewussteren Umgang mit der Sprache. Wie geht es Ihnen?

Der Roman, an dem Sie arbeiten, beschäftigt sich mit einer Gruppe Kommunisten, die im 19. Jahrhundert in den USA ihr Glück suchen. Was interessiert Sie daran? Und hat das irgendwas mit Trump zu tun – wie ja heute alles irgendwie mit Trump zu tun hat?