Hochpolitische Bücher, die nicht predigen

Die junge Schweizer Autorin Dorothee Elmiger erhält den Erich Fried Preis 2015.

Wurde bereits mit dem aspekte Literaturpreis (2010), dem Rauriser Literaturpreis (2011) und dem Schweizer Literaturpreis (2015) ausgezeichnet: Schweizer Autorin Dorothee Elmiger. (Bild: Keystone)

Wurde bereits mit dem aspekte Literaturpreis (2010), dem Rauriser Literaturpreis (2011) und dem Schweizer Literaturpreis (2015) ausgezeichnet: Schweizer Autorin Dorothee Elmiger. (Bild: Keystone)

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Dorothee Elmiger wird für ihre Bücher «Einladung an die Waghalsigen» (2010) sowie «Schlafgänger» (2014) geehrt. Ihr wird die mit 15'000 Euro dotierte Auszeichnung am 11. Oktober im Rahmen der Erich Fried Tage im Literaturhaus Wien vom österreichischen Kulturminister Josef Ostermayer überreicht.

«Dorothee Elmiger gelingt es, die brennenden Zeitfragen in eine poetische Prosa umzusetzen, die einen in der literarischen Welt neuen, unerhörten Klang anschlägt», begründet der alleinverantwortliche Juror, der Schweizer Reto Hänny, seine Wahl. «Ihre Bücher sind hochpolitisch, aber sie predigen nicht, sondern eröffnen mit einem Sturm nie zuvor gesehener Bilder Räume und überschreiten Grenzen, ohne ihr Geheimnis zu verraten.»

Mit ihrer «gewollt artifiziellen Sprache» lasse die Schriftstellerin «das vermeintlich Vertraute bis zur Kenntlichkeit geschärft fremd erscheinen», wobei sich ihre Bücher vor allem durch «den unverwechselbar eigenständigen Ton» auszeichnen. «Dorothee Elmigers Werke lassen sich nicht zusammenfassen. Man muss sie lesen.»

Festival mit Nobelpreisträger

Die heute 30-jährige Autorin wuchs in Appenzell Innerrhoden auf und studierte nach der Matura zunächst Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität Zürich, bevor sie ans Literaturinstitut in Biel wechselte und ein Gastsemester in Leipzig absolvierte. Für ihre Arbeit wurde Elmiger bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem aspekte Literaturpreis (2010), dem Rauriser Literaturpreis (2011) und dem Schweizer Literaturpreis (2015).

Der Erich Fried Preis wird seit 1990 vergeben. Bisher wurden unter anderen Christoph Hein, Robert Schindel, Paul Nizon, Gert Jonke, Oskar Pastior, Robert Menasse, Marcel Beye und zuletzt Judith Hermann ausgezeichnet.

Das internationale Literaturfestival Erich Fried Tage findet von 6. bis 11. Oktober in Wien statt und widmet sich unter dem Titel «Facts and Fiction» der literarischen Reportage in unterschiedlichsten Formen und Formaten. Eröffnet wird das Festival von Literaturnobelpreisträger V.S. Naipaul und dem österreichischen Autor Christoph Ransmayr im Akademietheater Wien. (sda/ama)

Erstellt: 02.09.2015, 12:04 Uhr

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