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Jahrhundert der verpassten Chancen

Morgen erscheint «Olga», der neue Roman von Bernhard Schlink («Der Vorleser»). Die Biografie einer bemerkenswerten Frau macht auch dem Grössenwahn der deutschen Geschichte den Prozess.

Die letzte Expedition: Der Abenteurer und Polarforscher Herbert Schröder-Stranz (rechts) am 5. August 1912 in Tromsø. Foto: Haeckel Archiv, Ullstein Bild
Die letzte Expedition: Der Abenteurer und Polarforscher Herbert Schröder-Stranz (rechts) am 5. August 1912 in Tromsø. Foto: Haeckel Archiv, Ullstein Bild

In «Dr. Faustus», seinem letzten grossen Roman, wagte Thomas Mann eine komplexe, geistesgeschichtlich begründete Herleitung des deutschen Verhängnisses: von Luther zu Hitler. In Bernhard Schlinks «Olga» gibt es ein etwas schlichteres, aber ähnlich angelegtes Deutungsmuster. Die Deutschen, heisst es in einer Passage, hätten zu lange auf ihre Nation warten müssen und sich stattdessen aufs Fantasieren verlegt. Als Bismarck ihnen schliesslich doch ein Vaterland schuf, konnten sie das Fantasieren nicht mehr lassen: «jetzt eben von Deutschlands Grösse und seinen Triumphen auf den Meeren und fernen Kontinenten und von wirtschaftlichen und militärischen Wunderdingen».

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