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Kleine Blumen- und Pilzbeschimpfung

Ein fiktiver Monolog, Peter Handke zugeeignet.

Peter Handke am Tag der Verleihung des Nobelpreises. (10. Oktober 2019)
Peter Handke am Tag der Verleihung des Nobelpreises. (10. Oktober 2019)
Keystone

«Rosen? Aber bitteschön. Geht mir weg mit euren Rosen. Lasst mich in Frieden! Die Farbe, die Faltung – alles an diesem Gezücht ist furchtbar ordinär. Ich komme von Cervantes, verstehen Sie? Einem Mann der delikatesten Blütenblättersammlungen, poetisch verstanden notabene.

Bitte? Nein, es tut mir leid, aber ich kann das jetzt nicht einfach als eine Geste der Würdigung akzeptieren. Ich lebe in meiner eigenen, ästhetischen Welt. Aber das merkt mal wieder keiner.

Zwölf unterösterreichische Oberbürgermeister umringen mich mit ihren ekligen Rosen – und hat denn nur ein einziger von ihnen mein Werk gelesen? Ich komme von Tolstoi, einem homme de lettres, dessen Liebe für die schöne Flora tief in seine slawische Seele eingesenkt war.

Und auch ich streife gern über Wiesen und durch Wälder, wo ich dann Pilze sammle, fernab der Zivilisation. Sicher, manchmal überkommt es mich, und ich beschimpfe einen Fliegenpilz, der sich mir just dann in den Weg stellt, als ich einen Pfifferling erwartete. Ich hasse Fliegenpilze. Doch meist gehe ich grimmig meines Weges, die Arme hinter meinem Rücken verschränkt.

Schliesslich komme ich von Peter Handke.»

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