«Lächerlich»

Trump betrügt beim Golfen, zeigt ein neues Buch. Golf-Experte Frank Baumann kennt ähnliche Fälle – und hält Trumps Handicap für massiv überschätzt.

Stolz auf sein Handicap: Trump spielt eine Runde Golf im schottischen Balmedie. (10. Juli 2012)

Stolz auf sein Handicap: Trump spielt eine Runde Golf im schottischen Balmedie. (10. Juli 2012) Bild: Getty Images

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Trump trägt beim Golfen den Ball offenbar gern dorthin, wo er ihn haben will. Haben Sie so was schon erlebt?
Natürlich. Nur ergibt das eben gar keinen Sinn. Man bescheisst damit nur sich selber. Als würde man sich selber beim Masturbieren einen Orgasmus vortäuschen. Und, schlimmer noch, man bescheisst seine Freunde, mit denen man unterwegs ist. Ok, wahrscheinlich hat Trump gar keine Freunde.

Gibt es auch noch andere Tricks als jene von Trump?
Sicher. Löcher in die Hosentasche schneiden und dann das Bällchen fallen lassen, zum Beispiel. Oder am Schluss an der Score-Karte rumkritzeln – was natürlich jeder, der eine Ahnung hat, sofort merkt. Einen habe ich mal ertappt, wie er am Vorabend eines Turniers Bälle auf dem Kurs verteilte. Ich stellte ihn zur Rede. Der hatte wirklich Angst, dass er sich wegen eines schlechten Resultats blamieren würde und wollte vorsorgen. Ich dachte: «Läck, was bist du für ein armer Siech.»

Ist Golfen ein Charaktertest?
Man lernt vor allem viel über sich selber, schult seinen Charakter. «Hit it, forget it, walk» ist so ein Golferspruch, der einen ganz generell im Leben weiterbringt.

Journalist Malcolm Gladwell sagt, Golf sei «das Crack des reichen weissen Mannes». Er zeigte, dass gewisse Chefs mit ihrer Golf-Obsession sogar den Niedergang ihrer Firmen in Kauf nehmen.
Arme Tröpfe. Wenn ich in meinem Heimclub, dem Dolder, golfe, dann geht es darum, eine gute Zeit zu haben, draussen zu sein. Nach einer Runde eine Zigarre zu rauchen, ein gutes Glas Wein zu trinken. Klar kann man das Golfen auch als Wettbewerb begreifen, sich hineinbeissen. Ich muss zugeben, dass ich mein Handicap ja auch viele Jahre runtertreiben wollte und jeden Tag rausging – bis ich blutige Hände hatte. Mein Handicap liegt jetzt, nach jahrzehntelanger Arbeit, bei 3,8. Aber ich habe erkannt, dass nicht das Handicap glücklich macht, sondern die Spielfreude. Anfänger beginnen übrigens mit einem Handicap von 54.

Trump sagt, er habe ein Handicap von 2,8.
Lächerlich. Ich habe Videos von ihm angeschaut. Der Fall ist klar: Der ist mit einer 9 noch gut bedient. Klar kann man mal einen schlechten Tag haben. Aber über seine grundsätzlichen Fähigkeiten, sein Spielverständnis, kann man niemanden hinwegtäuschen.

Die meisten kommen ja eher spät zum Golfen, wenn sie das nötige Geld beisammenhaben. Kann man Golfen in jedem Alter lernen? Oder ist es irgendwann zu spät?
Für sein eigenes Vergnügen sollte man allgemein besser früher anfangen. Aber zu spät ist es nie.

Golf scheint ein Männerding zu sein. Oder braucht es einfach mehr Frauen in den Toppositionen, damit mehr Frauen golfen?
Mehr Frauen in Toppositionen, das wäre wunderbar, aber dadurch würden nicht mehr Frauen golfen. Frauen setzen oft andere Prioritäten und denken mehr ans Allgemeinwohl als ans eigene Vergnügen.

Kann man auf dem Golfplatz tatsächlich geschäftliche Kontakte knüpfen?
Kaum. Das ist total verpönt. Wenn da einer auf dem Golfplatz rumläuft und anfängt, von seinem Job oder über Geld zu reden, dann diskreditiert er sich nur selber.

In einem Golfwägelchen herumgefahren zu werden – wie fühlt sich das an? Ein bisschen dekadent? Oder nur angenehm?
Man wird ja nicht rumgefahren, sondern fährt selbst. Ich bin gerne zu Fuss unterwegs. Aber es gibt nun mal Anlagen, die enorm lang sind. Da braucht es so einen Wagen. Ich schäme mich keineswegs, darin herumzufahren.

Der Caddie, der dem Golfer die Tasche hinterherträgt, ist eine eher traurige Figur, nicht?
Aber nein. Der Caddie ist für Golfer ein Partner. Caddies geben wertvolle Tipps, und manchmal behandeln ihn die Golfer fast wie ein Familienmitglied. Sowieso: Wenn er ordentlich bezahlt wird, ist das doch kein Problem, wenn einer die Tasche trägt. In Thailand oder Südafrika ist es eigentlich ein Muss, sich einen Caddie zu nehmen. Weil so Jobs geschafft werden.

Golfen braucht extrem viel Platz und Wasser. Geht eigentlich nicht mehr in Zeiten der Klimakrise, oder?
Das ist jetzt etwas billig. Ich könnte ja auch auf einem Kreuzfahrtschiff Ferien machen. Oder an ein Fussballspiel in Brasilien jetten. Das wäre dann weit schlimmer.

Sie haben für dieses Gespräch eigens Ihre Golfpartie in La Manga, Spanien, unterbrochen. Wie läufts?
Prima. Ich bin heute auf der Höhe meines Könnens, also auf der Höhe meines Handicaps. Während einer Golfrunde am Handy zu hängen ist übrigens etwas vom Schlimmsten überhaupt, was ein Golfer tun kann.

Golfer Trump in Aktion.

Erstellt: 04.04.2019, 15:28 Uhr

Frank Baumann (*1957) wurde als TV-Moderator («Ventil») bekannt, arbeitete zudem als Werber. Der Zürcher schrieb mehrere Bücher übers Golfen, gibt Golfkurse und bietet Golfreisen an. Während des Gesprächs golfte Baumann gerade auf einer Anlage in Spanien. (Bild: Keystone )

Das Buch

US-Sportjournalist Rick Reilly veröffentlichte diese Woche das Buch «Commander in Cheat: How Golf Explains Trump». Reilly befragte Prominente und weniger Prominente, die mit Trump golften. Dabei ergibt sich das Bild eines Mannes, der des schönen Scheins wegen auf dem Rasen öfters trickst. Die BBC veröffentlichte einige Auszüge. (lsch)

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