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Liebes Kindchen, böse Seele

Im Roman «Andersen» denkt sich Charles Lewinsky einen Fötus mit den vollständigen Erinnerungen eines Erwachsenen aus.

Hat ein kleines Monster erschaffen: Autor Charles Lewinsky.Foto: Sophie Stieger
Hat ein kleines Monster erschaffen: Autor Charles Lewinsky.Foto: Sophie Stieger

«Ich bin nicht Stiller» beginnt ein nicht unbekannter Schweizer Roman. Bei Charles Lewinsky heisst es, nicht ganz am Anfang, dafür aber umso öfter: «Ich bin Andersen.» Wenn einer das so betont, ist meist das Gegenteil der Fall. Hier auch. Andersen ist ein falscher Name, seine Identität ist konstruiert, seine Biografie komplett erfunden. Das ist nötig, weil der Träger dieses neuen Namens, wie wir bald begreifen, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die Seiten wechselt. Der Mann, der als Andersen neu beginnen will, war Verhör-, also Folterspezialist bei den Nazis, wohl bei der Gestapo (wiewohl diese Namen nicht fallen). «Ich war der Beste meines Faches», erinnert er sich stolz, was aber unter den neuen Verhältnissen keiner wissen darf.

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