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Literaturnobelpreis fällt wegen #MeToo aus

Konsequenz nach Belästigungs- und Korruptionsskandal: Dieses Jahr wird kein Literaturnobelpreis vergeben – erstmals seit 70 Jahren.

Vergabe fällt dieses Jahr aus: Am 19. April 2017 wurde vor der Stock Exchange in Stockholm, in welcher die Schwedische Akademie arbeitet, demonstriert.
Vergabe fällt dieses Jahr aus: Am 19. April 2017 wurde vor der Stock Exchange in Stockholm, in welcher die Schwedische Akademie arbeitet, demonstriert.
Fredrik Persson, Keystone
Kazuo Ishiguro nimmt in Stockholm den Literaturnobelpreis 2017 entgegen. (10. Dezember 2017)
Kazuo Ishiguro nimmt in Stockholm den Literaturnobelpreis 2017 entgegen. (10. Dezember 2017)
Jonas Ekstromer, Keystone
Wird eigentlich jährlich vergeben: Die goldene Nobelpreis-Medaille. (Archivbild)
Wird eigentlich jährlich vergeben: Die goldene Nobelpreis-Medaille. (Archivbild)
Fernando Vergara, Keystone
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Der Literaturnobelpreis wird in diesem Jahr nicht vergeben. Die Verleihung solle kommendes Jahr nachgeholt werden, teilte die Schwedische Akademie am Freitag in Stockholm mit. Die Entscheidung werde parallel zur Kür des Preisträgers 2019 bekanntgegeben. «Der Literaturnobelpreis 2018 wird zur gleichen Zeit wie der Preisträger 2019 gekürt und verkündet», teilte die Schwedische Akademie in ihrer Erklärung mit. Das Moratorium ist das erste seit knapp 70 Jahren.

«Die aktiven Mitglieder der schwedischen Akademie sind sich vollkommen bewusst, dass die aktuelle Vertrauenskrise sie zu einer langen und energischen Reformarbeit verpflichtet», wurde der Interimsvorsitzende der Akademie, Anders Olsson, in der Mitteilung zitiert. Es sei «unerlässlich, uns Zeit zu geben, um das Vertrauen vor der Kür des nächsten Preisträgers wieder herzustellen».

Die Schwedische Akademie war Ende 2017 durch Missbrauchsvorwürfe in eine tiefe Krise gestürzt worden. Sechs der 18 Mitglieder legten in der Folge ihr Amt nieder, darunter die Vorsitzende Sara Danius und das Mitglied Katarina Frostenson, gegen deren Mann sich die Belästigungsvorwürfe richten.

Serien-Belästiger aus dem Umfeld der Akademie

Die Zeitung «Dagens Nyheter» hatte im November im Zuge der weltweiten #MeToo-Enthüllungen berichtet, dass Frostensons Ehemann, der Franzose Jean-Claude Arnault, über Jahre hinweg 18 weibliche Mitglieder der Akademie, Frauen oder Töchter von Akademiemitgliedern und Mitarbeiterinnen belästigt oder missbraucht haben soll. Arnault ist selbst Künstler und Leiter eines Kulturzentrums.

Die Akademie kappte daraufhin alle Beziehungen zu Arnault, strich die Subventionen für die von ihm geleitete Einrichtung und leitete eine interne Untersuchung ein. Sie sprach aber Frostenson mehrheitlich das Vertrauen aus - woraufhin zunächst drei prominente Mitglieder und schliesslich unter wachsendem Druck weitere ihren Rückzug erklärten.

Arnault bestreitet die Vorwürfe gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft in Stockholm hatte im März erklärt, sie habe die Ermittlungen gegen ihn zu Vorwürfen für die Jahre 2013 bis 2015 mangels Beweisen eingestellt. Zu den anderen Vorwürfen laufen die Ermittlungen noch.

Nur dank königlicher Statutenänderung noch beschlussfähig

Die Akademiemitglieder sind auf Lebenszeit ernannt und können nicht zurücktreten; sie können aber ihre Ämter ruhen lassen. Nach der Geschäftsordnung sind mindestens zwölf Mitglieder zur Abstimmung über eine Neuaufnahme notwendig. Derzeit gibt es aber nur noch zehn aktive Akademiemitglieder.

Ein Akademiemitglied lässt bereits seit 1989 sein Amt ruhen aus Protest gegen die Haltung der Akademie zur Fatwa gegen den Schriftsteller Salman Rushdie wegen dessen Roman «Die Satanischen Verse». Ein weiteres Mitglied zog sich 2009 zurück. Angesichts der in ihrer Handlungsfähigkeit gelähmten Akademie wurde in Medien bereits über das Ende des Preises spekuliert. Schwedens König Carl XVI. Gustaf, der Schirmherr der Akademie ist, änderte mittlerweile die Statuten, um so Rücktritte von Mitgliedern und deren Ersetzung zu ermöglichen.

Kein Einzelfall

Der Literaturnobelpreis wird seit 1901 vergeben. Die Statuten der Akademie sehen vor, dass ein Preis bis zum kommenden Jahr aufbewahrt werden kann. Aufgeschoben und im Folgejahr nachgeholt wurde die Verleihung bereits fünf Mal, zuletzt 1949. Damals erklärte die Schwedische Akademie, keiner der Kandidaten werde den Anforderungen im Testament von Stifter Alfred Nobel gerecht. Im folgenden Jahr erhielt der US-Autor William Faulkner den Preis - zusammen mit dem Preisträger von 1950, Bertrand Russell.

Komplett ausgefallen ist die Vergabe des Literaturnobelpreises auch schon mehrere Male, vornehmlich während der beiden Weltkriege, zuletzt 1943. Im vergangenen Jahr wurde der Brite Kazuo Ishiguro mit dem mit neun Millionen Kronen (1 Million Franken) dotierten Preis ausgezeichnet.

Die Schwedische Akademie wurde 1786 von König Gustaf III. zur Förderung der schwedischen Sprache und Literatur gegründet. Neben dem Literaturnobelpreis vergibt sie mehrere weitere Preise und Stipendien. Verfasser: Ohlin und Ilgin Karlidag, AFP

SDA/sep

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