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«Manche sagen, mein Buch habe ihnen das Leben gerettet»

Für sie hat Lektüre etwas Therapeutisches: Delphine de Vigan.

Frau de Vigan, haben Sie den Erfolg verdaut, oder lähmt er sie noch immer?

Ging es Ihnen nach «Das Lächeln meiner Mutter» wie der Erzählerin Delphine, hatten Sie einen «writer's block», eine Schreibhemmung?

Weil der Erfolg etwas über seine Wahrhaftigkeit gesagt hat?

Auch Ihr jüngstes Buch weckt wieder die Frage: Stimmt es, was Sie schreibt? «Nach einer wahren Geschichte» wirkt wie ein autobiografischer Erfahrungsbericht. Die Erzählerin heisst ausserdem Delphine. Aber dann verwischen Sie die Spuren. Warum wollen Sie den Leser so verunsichern?

Fragen welcher Art?

Ist Ihr Buch ein Plädoyer für mehr Fiktion?

Im Buch gibt es einen Jugendlichen, der sagt: «Die Realität hat mehr Eier als die Fiktion.»

In Frankreich hat Autofiktion gerade Konjunktur. Allerdings führt das auch dazu, dass die Literatur für bare Münze genommen und ihr der Prozess gemacht wird. Édouard Louis musste sich wegen seines Romans «Histoire de la violence» vor Gericht verantworten. Kann die Gesellschaft den Unterschied zwischen Fiktion und Wirklichkeit nicht mehr machen?

Woran liegt das?

Dabei war die Fiktion doch immer ein Grundbedürfnis der Menschen.

Wer würde nicht über das Schicksal von Anna Karenina weinen?

Aber es scheitert an der Identifikation?

Sie recherchieren immer viel, bevor Sie schreiben. Auch in diesem Fall?

Die Icherzählerin ist mit einem Literaturkritiker liiert. Es gibt diese schöne Szene, als sie im gemeinsamen Landhaus ankommt und die Bücherkisten sieht, die er lesen muss. Auch Ihr Lebensgefährte ist Kritiker. Machen diese Büchermassen Angst?

Wenn L., die zerstörerische Frau, wirklich existierte, wäre es doch die Freundin, von der alle träumen?

Warum entwickeln sie solche Macht über uns?

In Ihren beiden jüngsten Büchern taucht das Wort «Fluch» auf. Schreiben Sie gegen familiäre Flüche an?

Hat das Schreiben auch etwas Therapeutisches für Sie?

welt.de/Martina Meister