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Meister des «magischen Realismus» wird 85

Der Literatur-Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez erlangte mit «Hundert Jahre Einsamkeit» Weltruhm. Am Dienstag feiert er Geburtstag.

Von Mario Vargas Llosa als «Höfling Castros» beschimpft: Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez (Aufnahme von 2010).
Von Mario Vargas Llosa als «Höfling Castros» beschimpft: Schriftsteller Gabriel Garcia Marquez (Aufnahme von 2010).
Keystone

Das berühmteste Werk ist seiner Mutter zu verdanken: 1950 besuchte sie den 22-jährigen Gabriel Garcia Marquez an der Universität und überredete ihn, wegen des Verkaufs des Familiensitzes noch einmal in die alte Heimat zurückzukehren. Bei der beschwerlichen Reise habe ihn der «Prankenschlag der Nostalgie» getroffen, schrieb der kolumbianische Schriftsteller später – sein Geburtsort Aracataca wurde Vorbild für den Ort Macondo aus «Hundert Jahre Einsamkeit». Für diesen Roman erhielt Garcia Marquez, der am (kommenden) Dienstag seinen 85. Geburtstag feiert, 1982 den Literatur-Nobelpreis.

Von der Familienbande inspiriert

Garcia Marquez kam am 6. März 1927 in dem kleinen Ort an der Karibikküste zur Welt. Jahrelang galt das Jahr 1928 als Geburtsjahr; in seiner Autobiografie «Leben, um davon zu erzählen» gibt er aber selbst das Jahr 1927 an. Der kleine Gabriel, ältestes von elf Kindern, wuchs bei seinen Grosseltern mütterlicherseits auf. Die beiden beeinflussten ihn nachhaltig – die Grossmutter wegen ihrer Erzählfreude, der Grossvater, ein Oberst, wegen seines Lebensstils: An ihm orientiert sich die Figur von Oberst Buendia in «Hundert Jahre Einsamkeit».

Auch Garcia Marquez' späterer Bestseller «Die Liebe in den Zeiten der Cholera» hat ein reales Vorbild: Seine Eltern mussten hart für ihre Liebe kämpfen. Der Vater, ein armer Telegrafist, galt den künftigen Schwiegereltern als schlechte Partie für die Tochter.

Abgebrochenes Jura Studium

Nach dem Tod des Grossvaters 1935 zog Garcia Marquez zu den Eltern nach Barranquilla, besuchte zunächst dort die Schule und machte später auf einem Internat in der Nähe von Bogota Abitur. Schon früh zeigte er Interesse am Schreiben: Noch in der Schule gründete er eine Literaturzeitschrift. Und trotz des Jurastudiums, das er auf Wunsch der Eltern begonnen hatte, veröffentlichte er bereits Ende der 1940er Jahre zahlreiche Erzählungen.

1950 brach er das Jurastudium ab und arbeitete fortan als Autor. Neben literarischen Werken verfasste er Filmkritiken, schrieb eine Kolumne in einer Tageszeitung und war als politischer Journalist tätig. 1955 griff er in seiner Reportage «Bericht eines Schiffbrüchigen», die in der liberalen Zeitung «El Espectator» erschien, das Regime des kolumbianischen Diktators Rojas Pinilla an. Um den jungen Journalisten zu schützen, schickte ihn die Zeitung als Korrespondent nach Europa; er reiste unter anderem nach Ungarn, in die DDR und in die UdSSR.

Ende der 1950er Jahre begann Garcia Marquez' Freundschaft zu Fidel Castro, wegen der er bis heute immer wieder angegriffen wird. Auf einem PEN-Kongress in New York 1986 beschimpfte ihn der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa als «Höfling Castros»; Gegner des kubanischen Staatschefs warfen Garcia Marquez vor, Menschenrechtsverletzungen auf der Karibikinsel zu verharmlosen. Der Schriftsteller weigerte sich jedoch stets, sich von Castro zu distanzieren.

Vertreter des «magischen Realismus»

Immer verstand sich Garcia Marquez zugleich als Journalist und als Schriftsteller. Journalismus ist für ihn ein literarisches Genre – dies ist auch das Motto der 1994 auf seine Initiative hin gegründeten Journalistenschule in der Stadt Cartagena. Neben seiner Korrespondententätigkeit fand der Autor immer wieder Zeit für grosse literarische Werke. 1961 erschien «Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt» und 1967 schliesslich «Hundert Jahre Einsamkeit». Dieses Buch brachte ihm Weltruhm ein und löste in Europa einen Boom lateinamerikanischer Literatur aus.

Der Name Garcia Marquez steht seitdem für «magischen Realismus». Seine Bücher wurden Bestseller: «Der Herbst des Patriarchen» (1975), «Chronik eines angekündigten Todes» (1981), «Liebe in den Zeiten der Cholera (1985), »Der General in seinem Labyrinth« (1989) oder schliesslich »Erinnerung an meine traurigen Huren« (2004).

Wird er je wieder schreiben?

Dieses Buch ist der bisher letzte Roman, den Garcia Marquez geschrieben hat. In Deutschland erschienen in den vergangenen Jahren Erzählungen und alte journalistische Arbeiten, eine Fortsetzung seiner Autobiografie »Leben, um davon zu erzählen« (2002), wie er sie geplant hat, blieb bislang aus. Im Frühjahr 2009 erklärte seine Agentin Carmen Balcells, sie glaube nicht, dass der Schriftsteller noch einen Roman verfassen werde – eine Äusserung, die Garcia Marquez umgehend zurückwies.

Seit vielen Jahren lebt der Kolumbianer, der 1958 seine Jugendliebe Mercedes heiratete und zwei Söhne hat, überwiegend in Mexiko-Stadt. Aus der Öffentlichkeit hat sich der Autor, der um die Jahrtausendwende eine Krebserkrankung überstand, weitgehend zurückgezogen.

dapd/omue

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