Zum Hauptinhalt springen

Österreich und Deutschland würdigen Schweizer Autoren

Von wegen Krise in der Schweizer Literatur: Paul Nizon (80) erhält den Österreichischen Staatspreis, derweil die Appenzellerin Dorothee Elmiger (25) mit dem bedeutenden Aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wird

Zwei Generationen von Schweizer Schriftstellern: Paul Nizon und Dorothee Elmiger.
Zwei Generationen von Schweizer Schriftstellern: Paul Nizon und Dorothee Elmiger.
Keystone

Der mit 25'000 Euro dotierte Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird am 15. November im Rahmen der Eröffnung der Wiener Lesefestwoche an Paul Nizon überreicht. Jungtalent Dorothee Elmiger erhält den 10'000 Euro dotierten Aspekte-Literaturpreis des ZDF am 7. Oktober an der Frankfurter Buchmesse.

Paul Nizon hat seit seinem Roman-Debüt 1963 mit «Canto» ein umfangreiches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen bedacht wurde. Die öffentliche Breitenwirkung blieb ihm hingegen bisher weitgehend versagt. «Paul Nizon greift in seinem Werk, das monolithisch in der deutschsprachigen Literatur der vergangenen 60 Jahre steht, die grossen Themen der Moderne auf: Einsamkeit, Verlorenheit und Orientierungslosigkeit», schreibt die österreichische Kulturministerin Claudia Schmied in einem Communiqué vom Mittwoch. «In einer präzisen, dichten und trotzdem federleichten Sprache skizziert er aus einer radikal subjektiven Perspektive Ausgänge aus einer vom Ich als beengend und lebenstötend empfundenen Welt», heisst es weiter.

Die Entscheidung der Jury (Stefan Gmünder, Paul Jandl, Barbara Neuwirth, Doron Rabinovici und Martina Schmidt) sei einstimmig erfolgt. Paul Nizon wurde am 19. Dezember 1929 in Bern geboren und studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik an den Universitäten Bern und München. Danach war er wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern sowie für kurze Zeit leitender Kunstkritiker der «Neuen Zürcher Zeitung». Seit 1962 ist Paul Nizon freier Schriftsteller, er lebt in Paris. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen «Stolz» (1975), «Das Jahr der Liebe» (1981), «Im Bauch des Wals» (1989) und «Das Fell der Forelle» (2005).

Neu erfundene Sprachwelt

Dorothee Elmiger erhält ihren Preis für ihr Romandebüt «Einladung an die Waghalsigen». Die Autorin erzählt von zwei rebellischen Schwestern, die sich der fatalen Endzeitstimmung einer untergehenden Welt widersetzen. «In einer Trümmerlandschaft rufen sie traumatische Visionen hervor und erfinden eigensinnig die Welt und die Sprache neu», heisst es in der Jurybegründung. Elmiger verfüge souverän über unterschiedlichste Tonlagen und erobere neues Terrain.

Elmiger setzte sich im Final des Wettbewerbs durch gegen «Juja» von Nino Haratischwili, «Gott im Reiskorn» von Mariam Kühsel-Hussaini, «Sogar Papageien überleben uns» von Olga Martynova und «Dinge, die wir heute sagten» von Judith Zander. Dorothee Elmiger hat mit «Einladung an die Waghalsigen» bereits den zweiten Platz am renommierten Bachmannpreis belegt und den Kelag-Preis gewonnen. Der nächste Wettbewerb ist bereits am Laufen: Die junge Ostschweizerin ist auch für den Schweizer Buchpreis nominiert. Die mit 50'000 Franken dotierte Auszeichnung wird am 14. November auf der BuchBasel verliehen.

SDA/rb

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch